Schlabbriger Euro

- Sprüche wie "Geiz ist geil" wären fortan Makulatur, würde sich ein Vorschlag durchsetzen, mit dem die Regisseure Jörn Hintzer und Jakob Hüfner die Welt zu verbessern gedenken: Mit der Einführung neuartiger Euro-Scheine - das zeigen sie in einer Episode ihrer fingierten Dokumentation "Weltverbesserungsmaßnahmen" - könnte man die brachliegende heimische Konjunktur enorm beleben. Denn die Banknoten lösen sich nach einigen Wochen auf. Die Scheine müssen also schnell weitergereicht und ausgegeben werden. Sparen wäre zwecklos, will man nicht nach knapp zwei Monaten auf einem Sack wertlosen Papiers sitzen bleiben.

In acht qualitativ arg divergierenden Episoden stellen Hintzer und Hüfner ihre Beiträge vor, wie aus unserer Heimat endlich die lange versprochenen blühenden Landschaften werden können. Manches ist wirklich überaus originell und hübsch ersonnen, dann strotzen die Beiträge nur so vor beißender Ironie und boshaftem Mutterwitz. In diese Kategorie fällt die Geschichte über die Leihgeschwister: Langzeitarbeitslose werden zum Bruder beziehungsweise zur Schwester eines der zahllosen Einzelkinder umgeschult und leben dann mit ihrem mindestens 30 Jahre jüngeren Geschwisterchen bei freier Kost und Logis im Kinderzimmer, Familienanschluss und Ausflüge am Wochenende inklusive. Hübsch ist auch der Vorschlag, kleineren Mitbürgern Schuhe mit Absätzen zu verpassen, damit sich endlich alle Menschen auf gleicher Augenhöhe begegnen.

Manche Ideen allerdings, wie etwa die Draußen-Büros, sind wohl eher eingeflochten worden, um Filmminuten zu schinden. Sie bremsen den locker-süffigen Erzählfluss abrupt und erscheinen noch dazu seit Monty Phyton bereits fatal bekannt. Trotz aller Mängel in Kleinigkeiten ist "Weltverbesserungsmaßnahmen" ein rundherum fantasievolles und über weite Strecken wirklich urkomisches Debüt. Ohne nachhaltigen Tiefgang zwar, sondern mehr im Stil der aktuellen Comedy-Welle konzipiert. Aber Hintzers und Hüfners unprätentiös arrangierten, erfrischenden Denkmodelle könnten den bundesrepublikanischen Alltag in Zeiten von Hartz IV auf ganz eigene Art beleben.

(In München: Mathäser, Maxx, Atelier.)

>> alle Filme, alle Kinos auf einen Blick bei munich online 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff
Die seit Jahren anhaltenden Gerüchte über die Hauptperson im dritten geplanten Spinoff zur eigentlichen "Star Wars"-Saga konkretisieren sich. 
Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff

Kommentare