Die Schlacht der Plastikfiguren

"300": - Der Titel "300" bezieht sich auf jene 300 Spartaner, die sich laut Herodot 480 v. Chr. bei den Thermophylen der Übermacht des Perserheeres entgegenstellten. Am Ende waren alle Spartaner tot, doch die gewonnene Zeit gab Gelegenheit für einen Gegenschlag. Der Perserkrieg endete mit dem Sieg bei Salamis; die Thermophylenschlacht aber begründete den Mythos des Spartanertums und ist bis heute eine Metapher für positiv verstandene Opferbereitschaft.

Exakt dies erzählt Regisseur Zack Snyder. Einziges Thema ist die Schlacht, die breit, in leuchtenden Farben und mit plastischen Effekten ausgemalt wird wie ein barockes Gemälde. Als Ergänzung dient ein Epilog, der die Verbindung zur Gegenwart herstellt und die Moral von der Geschichte ausbreitet.

Aber nicht erst hier fangen die Probleme an. Dramaturgisch gibt es von Anfang an ein Dilemma: Man weiß, wie es ausgeht, ist sich bewusst, dass alle Figuren, die in bombastischer Bildsprache zu Helden stilisiert werden, totgeweiht sind. Das ist unspannend, auch weil man sich instinktiv der allzu platten Parteinahme widersetzt.

Die Vorlage bildet zudem nicht allein Herodot, sondern vor allem der gleichnamige Comic von Frank Miller. Auf ihn gehen die Wiederbelebung der Batman-Figur und die Streifen Tim Burtons zurück, ebenfalls verfilmt wurden "Daredevil" und zuletzt "Sin City". Stets war Millers Werk mit dem Vorwurf konfrontiert, gewaltverherrlichend und reaktionär zu sein, dabei an niedere Instinkte zu appellieren. Und nie fiel es so schwer, es gegen diese Kritik zu verteidigen wie hier.

Denn Snyder fehlt das Können, vor allem der Geschmack eines Tim Burton und Robert Rodriguez (beide "Sin City"), deren Lust an Brüchen. Er vereinfacht die Botschaften Millers noch weiter. Das gilt nicht allein für die ebenso schlichten wie pathetischen Dialoge: "Unsere Pfeile werden den Himmel verdunkeln. - Dann kämpfen wir im Schatten." Es gilt auch ästhetisch: Keine Sekunde lässt "300" vergessen, dass Hintergründe und Statisten per Computer eingefügt wurden. So billig wie auf einer Kitschpostkarte sehen die Kulissen aus.

Und auch die weitgehend unbekannten Darsteller mussten ihre Körper nachkolorieren und um virtuelle Muskelpakete erweitern lassen. Ihr blutleeres Spiel wirkt so starr wie das von Plastikfiguren, und jedes Wort fällt wie ein nasser Sack zu Boden. Man könnte lange darüber debattieren, ob dies ein US-Wehrertüchtigungsfilm ist, rassistisches Propagandakino, das Iraner beleidigt und auf den nächsten Krieg einstimmen will. Oder ob nicht die Spartaner als fanatisierte Selbstmordkämpfer erscheinen und die Perser als zivilisatorisch überlegene, aber ein wenig dekadente Macht, die sich von ein paar Entschlossenen aus dem Konzept bringen lässt. Aber vielleicht tut man dem Film mit alldem einfach nur viel zu viel Ehre an.

Ab morgen in München: Gabriel, Mathäser, Royal, Münchner Freiheit, Maxx, Cinema i.O., Atlantis i.O., Museum i.O.

"300"

mit Gerard Butler, Lena Headley

Regie: Zack Snyder

Unerträglich

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