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Ihre Liebe ist erloschen, oder? Éléonore (Emma de Caunes) und Samuel (Yannick Renier) verbringen nach der Trennung ein gemeinsames Wochenende.

Zu viel Inszenierung

„Die Schlösser aus Sand“: Burgen bauen

München - Mit „Die Schlösser aus Sand“ ist Olivier Jahan ein sehr französischer Film gelungen, dessen Handlung allerdings dahinplätschert.

Manche Beziehungen sind wie Festungen. Sie trotzen Wind und Wetter, überstehen auch Angriffe von außen schadlos. Andere sind wie Sandburgen. Sie werden gebaut, über Nacht weggespült und am nächsten Tag von Neuem errichtet. Diese Art Beziehung haben Éléonore (Emma de Caunes) und Samuel (Yannick Renier) geführt. Sie waren lange ein Paar, hatten Pläne geschmiedet. Bis sie ihn mit einem Musiker betrog. Als Éléonores Vater stirbt, muss sie dessen Haus in der Bretagne verkaufen, denn das Leben als Fotografin bringt nicht viel ein. Weil sie das Haus nicht allein betreten will, bittet sie Samuel, sie zu begleiten. Der ist inzwischen wieder liiert und ahnt, dass es keine gute Idee ist. Aber er stimmt zu.So weit, so vorhersehbar. Was „Die Schlösser aus Sand“ trotzdem interessant macht, ist die Art, wie Regisseur Olivier Jahan es schafft, die Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren die Geschichte tragen zu lassen, obwohl diese ohne klassischen Höhepunkt auskommt. Der Franzose, der seit 15 Jahren keinen Film mehr gemacht hat, wendet dafür zwei Kunstgriffe an. Er lässt eine Nachbarin des Vaters als Off-Kommentar die Personen vorstellen, ihre Geschichten erzählen. Sie fungiert als Beobachterin und wartet immer wieder mit poetischen Weisheiten auf, etwa dass man nur jemanden heiraten sollte, neben dem man gut einschlafen kann. Das erinnert in seiner Naivität mitunter an „Die fabelhafte Welt der Amélie“, ist jedoch angenehm zurückhaltend. Dass Jahan seine Darsteller zusätzlich kurze Monologe direkt in die Kamera sprechen lässt, ist allerdings etwas zu viel Inszenierung.

Schauspielerisch überzeugt vor allem Emma de Caunes als Éléonore. Wenn sie Samuel fragt, ob es ihr letztes gemeinsames Wochenende sein werde, bewegt ihre Melancholie den Zuschauer. Die raue Küste der Bretagne und die schön psychedelische Filmmusik tun ihr Übriges und machen „Die Schlösser aus Sand“ zu einem sehr französischen Film.

Erfrischend ist, dass Jahan immer wieder unkonventionelle Szenen einstreut, die auch mal über die Schamgrenze gehen, etwa wenn Maklerin Claire Andrieux (Jeanne Rosa) am Tisch ein Kinderlied anstimmt. Leidtragende ist bei alledem die Handlung, die arg vor sich hindöst. Zwei interessante Nebenstränge werden langsam aufgebaut, verlieren sich jedoch bald im zentralen Beziehungsdilemma. Aber so ist das wohl mit Sandburgen.

„Die Schlösser aus Sand“

mit Emma de Caunes Regie: Olivier Jahan

Laufzeit: 102 Minuten

Annehmbar

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Before Sunrise“ mochten.

Florian Schumann

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