Schluss mit lustig, ein Oger wird erwachsen

"Shrek - Der Dritte": - Erfolg verpflichtet - zur Fortsetzung. Es ist eine alte Regel Hollywoods, dass produziert wird, was sich verkauft. Nach "Spiderman 3", dem "Fluch der Karibik 3" und "Ocean's Thirteen" startet jetzt "Shrek - Der Dritte" in den Kinos.

Regisseur Chris Miller und seine diversen Drehbuchautoren nutzen diese Ausgabe des Animationsspektakels zum Nachdenken über das Thema "Verantwortung". Und um es gleich zu sagen: Sie hätten es wohl besser sein lassen.

Der grüne Oger, jenes Sumpfmonster, das nicht zwingend den Kontakt zur Außenwelt sucht, sich im ersten Teil der Trilogie jedoch in Prinzessin Fiona verliebte, in der zweiten Produktion deren Eltern, das Königspaar von Weit Weit Weg, besuchen musste, ist nun gezwungen, mit seiner Angetrauten Repräsentationsaufgaben bei Hofe zu übernehmen - Verantwortung! Mehr noch: Als der Schwiegervater stirbt, soll Shrek König werden - mehr Verantwortung! Er erfährt jedoch, dass Fionas Cousin Arthur Erster in der Erbfolge wäre. Um der Bürde zu entgehen, macht sich Shrek nun gemeinsam mit seinen Freunden, dem Esel und dem gestiefelten Kater, auf den Weg, um Arthur zu suchen und auf den Thron zu bringen. Bevor die Männerrunde allerdings zu ihrer Odyssee aufbricht, erfährt Shrek, dass er Vater wird - noch mehr Verantwortung! Zu allem Überfluss entpuppt sich Arthur dann als quengeliger Verlierer, der in Shrek einen Ersatzvater zu erkennen glaubt - definitiv zu viel Verantwortung.

Waren das noch Zeiten, als jene, die Shrek erfanden, die das Drehbuch schrieben und animierten, nur der Anarchie gehuldigt haben und ihrem Drang, eine gute Geschichte zu erzählen. "Shrek - Der Dritte" präsentiert sich, als sei Erfolg eine Bürde und bringe eine große Verantwortung (!) für alle seine Väter (!). Natürlich ist der Film großartig animiert, natürlich ist er solide Unterhaltung, natürlich gibt es einige nette Dialoge und Kalauer und selbstverständlich wurde auch das Märchenfigurenarsenal nochmals aufgestockt. Außerdem darf nicht unerwähnt bleiben, dass niemals in der ganzen Filmgeschichte ein Frosch schöner gestorben ist als hier. Dennoch bleibt alles sehr, sehr brav, verantwortungsbewusst eben.

Es fehlt die kreative Flegelhaftigkeit, die den ersten Teil zu einer Überraschung hat werden lassen. Vermisst werden auch die mehr oder minder versteckten, fiesen Seitenhiebe und Gemeinheiten gegen den etablierten Kulturbetrieb im Allgemeinen und die Konkurrenz von Walt Disney im Besonderen. Der neue "Shrek" bietet nurmehr wehmütige Erinnerung daran, wie es einmal gewesen ist. Der Oger ist eben doch kein ewiger Punk. Seine Flegeljahre sind zuende, er ist jetzt ein groß-grünes, verantwortungsbewusstes Mitglied der Gemeinschaft. Sein neues Koordinatensystem: Kinder, Küche, Sumpf.

(In München: Mathäser, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Leopold, Cadillac, Cincinnati, Rio, Rex, Kino Solln, Cinema OV, Museums-Lichtspiele OV.)

"Shrek - Der Dritte"

von Chris Miller

Annehmbar ***

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