Schnelle Autos und Sonnenbrillen

- Darf man das? Einen Terroristen zum Film-Helden machen? Das Kriterium, ob ein Film gut ist, das ist immer noch die Qualität dessen, was man auf der Leinwand sehen kann, nicht die sittliche Verfassung der Hauptfigur oder das Gesinnungszeugnis der Macher. Auf der Berlinale sorgte Christopher Roths "Baader" jedenfalls für einen Skandal. In Wahrheit, so heißt es, sei alles ganz anders gewesen.

<P>Aber die Wahrheit des Münchner Regisseurs ist eine andere: Er will etwas spürbar machen vom Lebensgefühl, das junge Leute in den Terrorismus gleiten ließ. Indem er Baader, Ensslin, Meinhof (Frank Giering, Laura Tonke, Birge Schade, allesamt hervorragend) als etwas verwirrte, aber nicht unsympathische Menschen vorstellt, Skizzen aus ihrem Leben zwischen 1967 und 1972 zeigt, die im Detail erfunden sind, aber auf Realität basieren, lenkt er unseren Blick auf Überraschendes: Auf einmal entdeckt man, dass diese Kapitalismusfeinde schnelle Autos, Cordsakkos und Sonnenbrillen mochten. </P><P>Man ahnt, dass vielleicht die Posen, die sie sich von Filmen wie "Pierrot le Fou" oder Italo-Western abschauten, für die Geschichte dieser an den Terrorismus verlorenen Kinder des Wirtschaftswunders wichtiger war, als die Lektüre von Marx und Lenin. <BR><BR>Noch einmal: Um historische Fakten geht es hier nur am Rand. Wonach "Baader" sucht, ist Freiheit. Nicht nur im Umgang mit Personen und Vergangenheiten, sondern auch mit einer Gegenwart aus Sachzwängen und Deutungsmonopolen. Die jungen Helden könnten tatsächlich unter anderen Umständen Künstler oder DJs sein. Sie wollen ihre eigenen Spiele nach ihren eigenen Regeln - und nicht nach denen der Spaßgesellschaft. <BR><BR>"Baader" muss man eher vorwerfen, dass der Film noch nicht weit genug geht. Christopher Roths Werk dreht sich um die Frage, welche Freiheit für den Einzelnen oder eine Gruppe noch möglich ist. Und damit steht "Baader" dem Klassiker "Bonnie und Clyde" weitaus näher als Andres Veiels bravem und gesinnungstreuem Konsensstreifen "Black Box BRD". Ein mutiger, intelligenter und nicht zuletzt unterhaltsamer Film.</P><P><BR>"Baader" mit Frank Giering, Laura Tonke <BR>Regie: Christopher Roth <BR>Hervorragend <BR></P>

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