Schöne neue Welt der Gene

- Auf den ersten Blick sieht sie schön aus, die Vision der Zukunft, die Michael Winterbottom entwirft: hell und luxuriös, ein bisschen aseptisch. Offenkundig multinational sind die Identitäten der Menschen, Weltsprache ist Chinesisch. Zum Weltstaat globalisiert ist die Erde längst. Doch hinter der glänzenden Fassade gibt es neue Grenzen: Wassermangel, Überbevölkerung und eine strenge genetische Hierarchie bestimmen das Leben. Die Reichen und Privilegierten wohnen in gesicherten Luxusquartieren, der Rest haust in den Vorstädten und auf dem wüsten Land. Die Grenzen zwischen den Zonen darf nur überschreiten, wer über eine genetische Identitätskarte verfügt, die Papelles, die von der "Sphinx-Corporation" hergestellt werden, einem Konzern, in dem Staat und Trust zusammenfallen.

<P>In dessen Auftrag soll William jenen Verräter finden, der Papelles fälscht und schwarz verkauft. Schnell verliebt sich dieser Jäger in seine Beute. Tim Robbins und Samantha Morton glänzen als Mädchen und Kommissar in dieser Detektivgeschichte. In der Intensität ihrer Liebe ebenso wie in deren Ausweglosigkeit. Denn ihre Liebe verletzt den "Code 46", der Menschen mit ähnlichem Gen-Profil Sex verbietet. Wie jeder gute Science-Fiction handelt "Code 46" von unserer Gegenwart, von einem Sicherheitsfetischismus, der auf Kosten der Freiheit geht und nur den Interessen der Konzerne dient. Was diesen Film zur bestechenden Erfahrung macht, sind seine imaginative Kraft, sein nervöser Sog, die Poesie, die in der Mischung aus Trance und latenter Bedrohung liegt. </P><P>(In München: Rottmann.)<BR><BR>"Code 46"<BR>mit Tim Robbins,<BR>Samantha Morton<BR>Regie: Michael Winterbottom<BR>Hervorragend </P>

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