Schöne Sinnlosigkeit

- Man kann nicht viel falsch machen, wenn man George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon als Hauptdarsteller gewinnt. Wenn Catherine Zeta-Jones und Julia Roberts Nebenrollen spielen, ganz zu schweigen von Andy Garcia und Elliott Gould. Wenn allerdings nichts dazukommt, macht man auch nicht alles richtig. Kampf dem Jugendwahn im Kino - ein nachvollziehbares Projekt, wenn ein Regisseur wie Steven Soderbergh die 40 überschritten hat.

<P>Und richtig: Es gibt noch andere schöne Männer neben Leonardo DiCaprio, auch wenn Matt Damon ihn im Wettbewerb der Milchgesichter mit links besiegen würde.<BR><BR>Aber das Anliegen, mit der Coolness der Älteren die weichere Haut der Jüngeren und alle Computertricks zu schlagen, ist sehr sympathisch. Es war schon das Prinzip des "Rat Pack" um Frank Sinatra und Dean Martin, das Anfang der 60er-Jahre die Urfassung von "Ocean's Eleven" inspirierte, die sich Soderbergh vor zwei Jahren für ein Remake vornahm: Kino ist es auch, wenn schöne Männer schöne Dinge tun, erst recht, wenn sie über 40 sind - und umso besser, wenn man dabei erklären kann, was männliche Coolness heute ausmacht. In "Ocean's Twelve" erprobt Soderbergh die Tragfähigkeit dieses Konzepts für eine Fortsetzung.<BR><BR>Kein Zweiter kann wie Clooney ein Lächeln anstelle einer Handlung setzen, Charme anstelle von Härte, augenzwinkernde Unfähigkeit anstelle von Ambitionen. Nicht anders Pitt. Er hat gelernt, dass es genügt, seinem Gesicht zu vertrauen, damit die Herzen ihm zufliegen, und wenn er muss, kann er jederzeit das nötige Stück mehr tun. Schließlich Andy Garcia, einer der größten Unterschätzten im US-Filmgeschäft, der wohl zu gut aussieht, um die Rollen zu bekommen, die er verdient hätte. Soderbergh hat sich stets mehr für Form und Drumherum seiner Filme interessiert als für deren Geschichten. Doch wenn man echte Spannung sucht, ist man auch diesmal im falschen Film.<BR><BR>Wie in "Ocean's Twelve" dominieren die Schauwerte. Als Ort des Geschehens verstärkt der alte Kontinent "old europe" - Spielwiese für ältere Gangster - noch den nostalgischen Grundton des Films. Jazzige Eleganz prägt ihn, und für die zurückgenommene Gelassenheit, die Soderbergh offenbar vorschwebte, hatte er perfekte Schauspieler. Alles in allem ist diese Gangstergeschichte ein Genuss für alle Fans der Darsteller. Es geht um nichts anderes als perfektes Timing, gute Klamotten, bessere Sprüche und das Schweigen im richtigen Moment.<BR><BR>Dass "Ocean's Twelve" ganz konsequent auf dieser Oberfläche beharrt, auf der schönen Sinnlosigkeit und der Zweckfreiheit des Schönen, das macht dieses nett anzusehende Nichts in Zeiten, in denen angesichts von Depression und Krise allerorten "Sinn" und "Ernst" eingefordert werden, fast schon zu etwas Subversivem. Ein Antidepressivum ist "Ocean's Twelve". <BR><BR>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Leopold, City, Rio, Cinema i. O., Cincinnati).<BR>"Ocean's Twelve"<BR>mit George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon<BR>Regie: Steven Soderbergh<BR>Sehenswert</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“

Kommentare