Schöne Unvollkommenheit

- "Jeans", das Regiedebüt der Schauspielerin Nicolette Krebitz, konzentriert sich nicht auf eine Geschichte, sondern auf Beobachtungen: junge Leute in fotografisch ruhigen Einstellungen beim Rumhängen, Labern und Anbaggern. Schriftsteller Rainald Goetz tritt als wandelndes Selbstzitat auf, Houellebecq und DeLillo werden gelesen. Fragmentarisch, mit Fehlern, aber sehr intensiv; darum gelingt "Jeans", der unprätentiöser ist, als er auf den ersten Blick wirkt.

<P>Denn obwohl sich Krebitz' Film durchaus mit dem Godard-Ausspruch illustrieren ließe, ein Film müsse einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben, "aber nicht notwendig in dieser Reihenfolge", erliegt "Jeans" nicht der Illusion, die Unschuld der Nouvelle Vague wiederholen zu können. Im Gegenteil illustriert der Film einen Verlust der Unschuld, der sich nur ganz zögernd durch Experimentierfreude überwinden lässt - ein caprisonnenfrisches Stück Pop-Kino, mit dem man wie mit seiner Lieblings-CD gern 90 Minuten verbringt: Bestimmte Passagen oder Lieder mag man besonders gern, andere nicht so. Es ist also kein typischer Film, schon gar kein typischer Spielfilm, wie er in Deutschland gemacht wird.</P><P><BR>Der Titel meint lautmalerisch übrigens beides: die "Genes", die uns alle antreiben, aber auch das Kleidungsstück, dass nie perfekt ist, aber unentbehrlich. Wie mit den Jeans ist es auch mit der Liebe. In der Geschichte, die "Jeans" natürlich doch erzählt, begegnet man der Welt eher aus der Männerperspektive. Im Zentrum stehen zwei Jungs (Marc Hosemann und Oskar Melzer), die ständig verschiedenen Mädchen (unter anderem Krebitz, Jana Pallaske, Marvie Hörbiger) begegnen. Sie haben eines gemeinsam: Sie zertrümmern gerne die Bilder, die sich andere von ihnen machen. Im Zweifelsfall bleibt der Film ruhig, wo andere kurzatmig einen Einfall an den nächsten setzen. Es geht um Atmosphären und Situationen. So gelingt ein Film, der etwas hat, das vielen fehlt: ein Geheimnis. (In München: ab morgen im Arri).</P><P><BR>"Jeans"<BR>mit Marc Hosemann, Oskar Melzer, Jana Pallaske, Marvie Hörbiger<BR>Regie: Nicolette Krebitz<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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