Auto rast offenbar in Bushaltestellen in Marseille

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Was Sie schon immer über Sex wissen wollten . . .

- Neun Lieder, gespielt jeweils auf Konzerten in London, bilden die Struktur von "Nine Songs". Es sind verschiedene Bands, das Hippste, was Brit-Pop zurzeit zu bieten hat - von "Franz Ferdinand" bis "Primal Scream". Es sind energiegeladene Auftritte, sie lassen eintauchen in die Atmosphären des Augenblicks. Studentin Lisa und Polarforscher Matt besuchen die Konzerte, ein wenig strukturieren diese nicht nur den Verlauf der Handlung, sie kommentieren ihn auch - die hypermoderne Variante eines antiken Chors. Eine Tragödie ist es allerdings nicht, die Michael Winterbottom erzählt.

<P>Lisa und Matt sind das Paar in einem Film, der ganz auf sie ausgerichtet ist und nichts anderes zeigt als ihre Affäre, so einfach und geradlinig und offen wie möglich. Wir sehen beide immer abwechselnd auf Konzerten und im Bett. Zu sagen hat sich das Paar wenig, in der Liebe, das scheint Winterbottom zu meinen, kann es auf ganz andere Dinge ankommen. Im Zentrum steht ein rein körperliches Wohlgefühl, das durch Sex genauso hervorgerufen werden kann wie durch Musik. Wichtiger ist allerdings, wie Winterbottom ganz konkret die Grenzen des Zeigbaren auslotet: "Nine Songs" zeigt explizit Sex in verschiedenen Variationen.</P><P>Obwohl er dabei an Deutlichkeit vieles überschreitet, was einst großen Skandal machte, ist dies niemals ein Porno, bleibt der Film immer in aller Offenheit dezent. Einmal mehr zeigt sich Winterbottom als hochinteressanter Filmemacher - und als der wohl experimentierfreudigste Regisseur Europas. Was "Nine Songs" dabei mit Bertoluccis berühmtem "Letzten Tango von Paris" gemeinsam hat, ist die nicht ganz gleichberechtigte Perspektive: Aus dem Off erzählt Matt alles im Rückblick. Da erlebt man einen etwas weinerlichen und letztlich arg selbstbezogenen Mann, der gerade zum ersten Mal sein Altern spürt. Der Liebesakt als Selbstbestätigung und Memento Mori.</P><P>Die Offenheit, mit der der Film den Männerblick sich selbst entlarven lässt, ist nur ein weiterer Beleg für die Klugheit des Regisseurs. Gut möglich, dass man in 30 Jahren in diesem Film ähnlich viel Zeitgeist und Alltagskultur unserer Gegenwart entdeckt, wie sich heute die frühen 70er im "Letzten Tango" spiegeln. Die einzige Frage, die offen bleibt, ist, ob all dies wirklich etwas mit Liebe zu tun hat? Vielleicht erzählt "Nine Songs" doch weniger von der Liebe als einfach davon, wie es ist, wenn zwei Leute gern miteinander ins Bett gehen.</P><P>"Nine Songs"<BR>mit Kieran O'Brien, Margot Stilley<BR>Regie: Michael Winterbottom<BR>Sehenswert </P>

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