Oh Schreck, der Kater rennt

- Fett, faul und verfressen lebt Garfield, der egozentrischste Kater der Welt, seit circa 40 Jahren als Comic-Held auf den Seiten von weltweit über 2600 Zeitungen. Allzu menschlich ist sein wöchentlicher Stoßseufzer "Ich hasse Montage", seine Liebe zu Lasagne, fettem Fast-Food und dummen TV-Sendungen, seine Verachtung für Katzenfutter, Sport und Diäten - und erst recht für die Versuche seines Besitzers, ihn doch zu einem fügsamen und verantwortungsbewussten Haustier zu machen. Garfield ist wunderbar amoralisch, sarkastisch und in der Vermeidung überflüssiger Muskelbewegungen - "Ich jage nie!" - nebenbei tief philosophisch.

<P>Offenbar hat genau das die Macher von "Garfield: Der Film" misstrauisch gestimmt. Ob es an der Atmosphäre im Bush-Amerika liegt oder einfach an der Einfallslosigkeit der Studio-Verantwortlichen, offenbar ist schon die, weiß Gott, verträgliche Dosis Amoral, die Jim Davis' Comics eigen ist, zurzeit zu viel des "Guten". Jedenfalls haben sie dem trägen Tier-Oblomow ein Drehbuch geschrieben, in dem dieser seine liebenswertesten Eigenschaften ablegen und - oh Schreck! - selbstlose Taten vollbringen und rennen muss. Das mag im Land der unbegrenzten Verantwortungslosigkeiten und Supersize-Fast-Food-Süchtigen ja volkspädagogisch sinnvoll sein und auch hierzulande manchem wichtige Lebensregeln vermitteln, allen anderen dürfte es aber auf die Nerven gehen. Dies zumal die Moral auch auf Kosten des Humors geht.</P><P>Die kreuzbrave Story kreist um einen obdachlosen Hund, der zunächst von Garfields Herrchen Jon Arbuckle aufgenommen, bald aber von einem sadistischen Fernsehmoderator entführt wird. Daraufhin wird er von Garfield gerettet. Das Einzige, was an dem Film wirklich Spaß macht, ist Bill Murray, der Garfield im englischen Original seine Stimme leiht. Sie strahlt genau die Saturiertheit des Katers aus, deren Charme die Macher dieses ebenso biederen wie lahmen Films nie begriffen haben. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Rio, Autokino, Museumslichtspiele i. O.)</P><P>"Garfield: Der Film"<BR>mit Breckin Meyer<BR>Regie: Peter Hewitt<BR>Erträglich</P>

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