Schrott-Kapitalismus

- Dass sich die Kritiker von George W. Bushs neoliberaler "Gesellschaft der Eigentümer" ausgerechnet im wohlhabenden Hollywood sammeln, ist bekannt. Aber dass die radikalsten Gegner von Bushs Wirtschaftspolitik ausgerechnet die Macher von Trickfilmen sind, überrascht dann doch. Mit so wütender Leidenschaft wie in der Computeranimation "Robots" sind Profitgier und Turbo-Kapitalismus selten in einem US-Film angeprangert worden. Damit das die Finanziers nicht verschreckt, hat Regisseur Chris Wedge ("Ice Age") darauf geachtet, dass "Robots" trotz aller ätzenden Ausfälle ein unterhaltsamer Familienfilm wird.

<P class=MsoNormal style="MARGIN: 0cm 0cm 0pt">Das gelingt ihm mit einem alten Kniff: Verfremdung. "Robots" spielt in einer Maschinenwelt, und der Held Rodney ist ein Roboter, der sein Glück als Erfinder machen möchte. Dafür kommt nur der Konzern des legendären Big Weld in Frage, der die mechanische Bevölkerung mit günstigen Ersatzteilen versorgt. Aber im Reich der Roboter weht ein neuer Wind: Firmengründer Big Weld hat sich zurückgezogen. Eine Garde schneidiger Jung-Manager tritt an, um den Gewinn zu erhöhen. Also wird die Produktion von Ersatzteilen eingestellt. Das bringt zwar zuverlässig Geld, aber nicht genug. Künftig gibt es nur noch "Upgrades", also komplett neue Hüllen. </P><P class=MsoNormal style="MARGIN: 0cm 0cm 0pt"> </P><P class=MsoNormal style="MARGIN: 0cm 0cm 0pt">Roboter, die sich diese teure Variante nicht leisten können, werden verschrottet. Rodney will das verhindern und nimmt mit Hilfe einiger rostiger Auslaufmodelle den Kampf gegen die, wie soll man sagen, "unmenschliche" Konzernstrategie auf. Er repariert alte Roboter einfach selbst. Letztlich gewinnt Rodney, weil die Gier der Kapitalisten schrankenlos ist: Sie wollen sogar das Reparieren unterbinden. Das führt zum Aufstand, den Ex-Konzernchef Big Weld anführt. Er ist der Inbegriff des anständigen Unternehmers. Mit so einer Figur treffen die subversiven Macher von "Robots" einen Nerv in unsicheren Zeiten. Und, zumindest in Europa, auch mit dem Ober-Bösewicht Rasket. Als weltfremder Phrasendrescher ist er ohne größere Schwierigkeiten als Parodie auf Bush zu identifizieren. Für den US-Präsidenten bleibt Hollywood Feindesland, aber das erhöht den Spaß an "Robots" eher.</P><P class=MsoNormal style="MARGIN: 0cm 0cm 0pt">(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Leopold, Cadillac, Rio, Autokino, Cinema i.O., Cincinnati, Gabriel, Museum i.O.)</P><P class=MsoNormal style="MARGIN: 0cm 0cm 0pt"> </P><P class=MsoNormal style="MARGIN: 0cm 0cm 0pt">"Robots"</P><P class=MsoNormal style="MARGIN: 0cm 0cm 0pt">Regie: Chris Wedge</P><P class=MsoNormal style="MARGIN: 0cm 0cm 0pt">Sehenswert</P>

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