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Clive Owen spielt in Tom Tykwers „The International“ einen Interpol-Agenten, der Schurken in Nadelstreifen fassen will.

Berlinale

Schurken zum Auftakt


Exzellent: Tom Tykwers Thriller „The International“ eröffnete in Berlin die 59. Filmfestspiele

Entmachtet alle bösen Banker! Das ist die Botschaft. Die Ausführung ist großartig und überzeugend. Mit Tom Tykwers neuem Film „The International“, einem ebenso eleganten wie spektakulären Thriller aus den gläsernen Chefetagen der Finanzwelt eröffneten am Donnerstag in Berlin die 59. Internationalen Filmfestspiele – und es war der beste Eröffnungsfilm seit Jahren. Stilistisch wie inhaltlich überzeugend verbindet der deutsche Regiestar die besten Tugenden des europäischen Autorenkinos mit anspruchsvolleren Hollywood-Thrillern. Eine passende Eröffnung für ein Festival, dessen Schwerpunkt klar auf dem europäischen und US-amerikanischen Kino liegt und das sich immer besonders stark um zeitbezogenes, politisch wie sozial engagiertes Kino bemüht.

Stars bei der Berlinale 2009

„The International“ ist, obwohl bereits seit sechs Jahren in Arbeit, ein höchst aktuelles Werk, ein Film zur Bankenkrise, „ein Täterfilm“, wie sich auch Berlinale-Chef Dieter Kosslick freut. Umgesetzt mit Tykwers Stammteam – Kamera: Frank Griebe, Schnitt: Mathilde Bonnefoy – ist dies ein europäisch anmutender Film. Im Zentrum steht ein Interpol-Ermittler, gespielt von Clive Owen, der mit Hilfe einer Staatsanwältin (Naomi Watts) die Verbindung von Mafiageldern, Finanzmarkt, Banken und Waffenhandel untersucht. Es geht um Schurken in Nadelstreifen, die Machenschaften eines fiktiven, aber an reale Vorbilder angelehnten Unternehmens, der „fünftgrößten Privatbank der Welt“. Sie dealt mit Waffen, kauft Killer und initiiert in afrikanischen Ländern Konflikte und Regimewechsel. „Eine Bank will Schulden kontrollieren“, erklärt im Film ein italienischer Politiker und Waffenhändler bündig: „Das ist das Wesen des Bank-Geschäfts: uns alle zu Sklaven der Schulden zu machen.“ Tykwers Film erinnert an die besten Traditionen des europäischen Politthrillers.

Vorausgegangen war der Premiere eine glanzvolle Eröffnungsveranstaltung mit einer gewohnt launigen Kosslick-Rede und der Vorstellung der Jury: Neben Präsidentin Tilda Swinton gehören ihr unter anderem Christoph Schlingensief und Henning Mankell an.
Am Ende der Vorführung, als der große Applaus des Premierenpublikums verklungen war, weckte diese Eröffnung dann zugleich die Hoffnung, dass der Schub des Auftakts auch das weitere Festival mitreißen möge. In den letzten Jahren war das Berlinale-Programm überwiegend enttäuschend gewesen. Diesmal kämpfen 18 Filme im Wettbewerb um den Goldenen Bären, darunter zwei deutsche: Hans-Christian Schmids Justizthriller „Sturm“ und Maren Ades Liebeskammerspiel „Alle anderen“. Der Wettbewerb begann am Freitag mit Annette K. Olsens „Little Soldier“ über eine Frau, die ein Kriegstrauma zu verarbeiten hat, und mit „Der Vorleser“, Stephen Daldreys Verfilmung des umstrittenen Schlink-Bestsellers, in der in jedem Fall Kate Winslet und David Kross überzeugen als ehemalige KZ-Aufseherin und ihr junger Liebhaber.

Insgesamt laufen in Berlin an den kommenden elf Tagen in drei Hauptsektionen und zahlreichen Nebenreihen rund 400 Filme, darunter 98 aus Deutschland. Hoffentlich gehen in dieser Masse nicht die wirklich guten Werke unter. Diese Gefahr zumindest droht Tykwers Film nicht. Er startet bereits kommende Woche in unseren Kinos.

von Rüdiger Suchsland

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