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Clive Owen in "The International"

The International im Kino: Film-Kritik, Fotos und Trailer

Es ist ein Anti-Globalisierungsthriller, der den Namen verdient hat: Tom Tykwers „The International“ startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.

Die ersten Minuten von „The International“ sind bereits ein Meisterstück jener dichten, präzisen, nie beliebigen und ruhigen Inszenierungskunst Tom Tykwers. Ein kleiner, unscheinbarer Mord, der auch zu einem TV-Krimi passen würde, bildet hier die Ouvertüre zu großem Kino. Zu einem zeitgemäßen, dabei fast bescheiden anmutenden Thriller zwischen Anti-Globalisierungsthematik und Paranoia-Erfahrung. Trotz komplizierter Zusammenhänge im Hintergrund wird dem Zuschauer alles, was er wissen muss, gezeigt - und nicht durch Dialoge erzählt. So folgen wir mal den Blicken der Figuren, dann wieder blicken wir auf sie, und der Bildwechsel stellt Zusammenhänge und intuitives Verständnis her.

Bilder zum Film

The International: Bilder zum Film von Tom Tykwer

Was diesen Film so europäisch wirken lässt, ist die Ökonomie seiner Mittel. Fast immer sind die Schauplätze exakt in unserer Wirklichkeit verankert, integrieren klug ihre Architektur in die Handlung, etwa am furiosen Action-Höhepunkt des Films bei einer Schießerei, die den riesigen Raum des New Yorker Guggenheim-Museums einbezieht.

Doch der Film bleibt dabei immer angenehm auf dem Boden. Die Szenen wirken bei aller Übertreibung realistisch und dienen der Geschichte. Man erlebt nie das, was das neuere Actionkino oft zu einer anstrengenden und enttäuschenden Erfahrung macht: dass man als Zuschauer den Überblick verliert und zum Objekt einer Achterbahnfahrt aus Schnittgewittern und Perspektivwechseln wird. „The International“ hat andere Ziele. Form und Inhalt entsprechen sich – Bewegungskino pur. Ein Film, der sich in unterhaltsamer Form mit ernsthaften Anliegen beschäftigt und dabei provokative Thesen entwickelt. Ein Anti-Globalisierungsthriller, der diesen Namen auch verdient.

Der Film-Trailer

Im Zentrum steht ein Interpol-Ermittler (Clive Owen), der die Verbindung von Mafia, Finanzmarkt, Banken und Waffenhandel untersucht. Es geht um Schurken in Nadelstreifen, Machenschaften eines Unternehmens, der „fünftgrößten Privatbank der Welt“. Sie dealt mit Waffen, kauft Killer und löst in afrikanischen Ländern Konflikte und Regimewechsel aus. „Es geht um Kontrolle“, erklärt ein italienischer Politiker und Waffenhändler bündig: „Eine Bank will Schulden kontrollieren. Das ist das Wesen des Bank-Geschäfts: uns alle zu Sklaven der Schulden zu machen.“ Drehbuch und Regie zeigen hinter den Individuen ein System, das sich von Personen unabhängig gemacht hat.

In alledem erinnert Tykwers Film an die besten Traditionen des europäischen Polit-Thrillers. Das gilt auch für die Machart: Elegant, zurückhaltend inszeniert, lebt der Film von perfektem Tempo-Management und dem Beobachten der Beobachter. Das Weltbild ist pessimistisch; Gerechtigkeit, heißt es, sei eine Illusion. Am Ende steht die zentrale Frage: Soll man seine Ideale opfern, zum Wohl der Welt?

„The International“ mit Clive Owen, Naomi Watts. Regie: Tom Tykwer. Hervorragend - 5 von 5 Sternen.

Rüdiger Suchsland

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