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Entschlossener Blick, klare Bildsprache: Til Schweiger hat die erste halbe Stunde von „Schutzengel“ als typischen Actionfilm inszeniert: Er selbst spielt den Ex-Soldaten Max, der als Personenschützer für die jugendliche Zeugin Nina (Luna Schweiger) verantwortlich ist.

So ist Til Schweigers neuer Film "Schutzengel"

Berlin - Nach einigen Beziehungskomödien wie "Keinohrhasen" oder "Kokowääh" ist Til Schweigers endlich wieder in einem Actionthriller auf der Kinoleinwand zu sehen. Lesen Sie hier die Filmkritik zu "Schutzengel".

Endlich. Endlich wieder ein Film, in dem Til Schweiger zur Waffe greift. Endlich wieder ein Film von ihm, der keine Beziehungskomödie in erdigen Wohlfühlfarben ist, mit attraktiven Menschen im Gegenlicht. Nichts gegen die tollen „Keinohrhasen“ – dennoch ist es schön, dass Schweiger endlich einen Actionfilm gedreht hat („Der Eisbär“ ist zu lange her). Auch in „Schutzengel“ gibt es zwar Szenen, in denen Federn fliegen – nicht aber, weil Kissen beim Herumtollen geplatzt sind wie in Schweigers jüngsten Produktionen. In „Schutzengel“ wird das Bettzeug von Salven eines Killerkommandos durchsiebt.

Ja, die erste halbe Stunde dieses Films ist rasant und stimmig inszeniertes Genrekino, wie es außer Schweiger wohl wenige in Deutschland hinbekommen. Der Zuschauer findet sich unmittelbar in Stahlgewittern. Schweiger, wie zuletzt gewohnt verantwortlich als Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Hauptdarsteller, weiß, wie Action auf der Leinwand in Szene gesetzt werden muss – und er hat das nötige Geld, sein Wissen Film werden zu lassen: Wenn in „Schutzengel“ parkende Autos zerschossen werden, dann hat der Ausstatter nicht wie bei anderen deutschen Produktionen kostengünstig alte Karren vom Schrottplatz geholt, auf die sowieso nur noch die Presse wartet. Nein: In „Schutzengel“ parkt und wird zerstört, was aktuell auf den Straßen deutscher Großstädte fährt. Das tut dem Film gut, ist authentisch.

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Das trifft auf die Geschichte allerdings nicht immer zu. Schweiger spielt Max, einen Ex-Elitesoldaten und Einzelgänger, der die junge Nina schützen muss: Das Mädchen wurde zufällig Zeugin eines Mordes, in den ein Waffenproduzent mit Verbindungen in höchste Polizei- und Justizkreise verwickelt ist. Natürlich schrecken dieser Kotzbrocken und seine Helfershelfer vor keiner noch so schmutzigen Gewaltattacke zurück, um Ninas Aussage vor Gericht zu verhindern. So weit, so erwartbar. All das ist weniger Problem denn genretypisch.

Doch leider verabschiedet sich Schweiger nach und nach von seinem Actionthriller, baut stattdessen die Beziehungsgeschichte aus: Zunächst wird Max für Vollwaise Nina zum Ersatzvater, dann ist auch noch ausgerechnet die ermittelnde Staatsanwältin die einstige große Liebe des Ex-Soldaten. So überzeugend Karoline Schuch spielt – diese Wendung ist schlicht zu viel. Denn die (Zwangs-)Gemeinschaft Max/Nina bietet eigentlich genug Stoff. Schweiger nutzt von diesem Angebot aber nur einen kleinen Teil.

Dass er Nebenfiguren stimmig einsetzen kann, zeigt dagegen die Rolle von Moritz Bleibtreu: Er spielt Rudi, den beinamputierten Ex-Afghanistan-Kollegen von Max, als Buddy aus dem Genre-Bilderbuch: ein Sprücheklopfer, der aus seinem Rollstuhl heraus jedoch mehr abfeuern kann als nur Pointen. Diese Figur ist das komische Element im Skript, herrlich schräg von Bleibtreu interpretiert. Und Drehbuchautor Schweiger wusste offensichtlich, wann die Figur auserzählt ist – und verschwinden muss.

Eben dieses Gespür fehlt an anderen Stellen, sonst hätte „Schutzengel“ in der Tat ein packender Actionfilm werden können. So aber muss Schweiger zum Ende hin alle Mühe aufbringen, damit ihm seine Geschichte nicht um die Ohren fliegt. Da wird’s dann auch unfreiwillig komisch: Etwa als Max, eingeschlossen in einer völlig frei stehenden Hütte, von einer schwerbewaffneten Söldnertruppe unter Dauerbeschuss genommen wird – und das Feld als Sieger verlässt.

Schade, wirklich. Denn Schweiger kann Action. Der Anfang beweist es.

von Michael Schleicher

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