Schwarze Superstars

"Dreamgirls": - Man liebt Musicals, oder man hasst sie. Diese Kluft versucht Bill Condon mit seiner Musical-Verfilmung zu überwinden und hat sich dafür "Dreamgirls" ausgesucht. Er erzählt vom Aufstieg der ersten schwarzen Superstars in Amerika. Angesiedelt im Detroit der 60er-Jahre ist das an die Geschichte von Diana Ross' "Supremes" und der legendären schwarzen Plattenfirma Motown angelehnt.

Jamie Foxx spielt den Firmenchef Curtis Taylor Jr., der das Erfolgsrezept für schwarze Sänger findet: Anpassung. Der Klang wird gefälliger, die Künstler werden zu netten Familienentertainern umgemodelt. Die ersten, die so im weißen Showgeschäft angekommen sind, sind die drei "Dreams".

Die attraktiven Mädchen funktionieren wie eine Hitmaschine. Aber das geht nicht ewig gut. Curtis macht Deena (Beyoncé Knowles), die Hübscheste, zum Star der Band und degradiert die talentiertere Effi (Jennifer Hudson) zur Hintergrundsängerin. Als er auch noch Deena heiratet, zerbricht die Gruppe. Irgendwann hat Deena es satt, sich manipulieren zu lassen und geht auch. Es folgt die Versöhnung im Dreimäderlhaus bei einem emotionalen Abschiedskonzert. Um die Handlung nicht allzu glatt wirken zu lassen, gibt es Anspielungen auf den Rassismus und die rüden Methoden im Showgeschäft.

Der Trick besteht darin, dass Condon das Musical inszeniert, als wäre es keines. Er integriert die Gesangsnummern organisch in die Szenen. Gesungen wird anfangs gar nicht und später im Plattenstudio, auf der Bühne und bei Proben. So wirkt "Dreamgirls" wie ein Spielfilm mit Musikeinlagen. Da aber bei Musicals, dramaturgisch bedingt, die Konflikte gesanglich ausgetragen werden, kann es Condon gegen Ende hin doch nicht vermeiden, seine Schauspieler wie in dieser Gattung agieren und singen zu lassen. Es sind die schrecklichsten Momente in einem unterhaltsamen Film.

Überhaupt ist die Musik der große Schwachpunkt des Films. Immerhin geht es um den "Motown-Sound", der die populäre Musik der Gegenwart mitgeprägt hat. Von drei Ausnahmen abgesehen, wird die Musik dem Anspruch, diese Epoche widerzuspiegeln, nicht gerecht. Es ist routinierte Musicalgrütze. Nur den Interpreten ist es zu verdanken, dass man das hinnimmt. Überhaupt sind es die singenden Schauspieler, die den Film retten, und man erlebt einige Überraschungen.

Zum Beispiel, dass Eddie Murphy, wenn er nicht den Komiker geben muss, ein guter Schauspieler ist. Als tragischer Held, der seine Soulwurzeln verleugnet und schmalzige Balladen singen muss, verblüfft er zudem mit einer mehr als passablen Gesangsleistung.

Soulstar Beyoncé liefert als Pop-Püppchen ohne Seele ihren ersten akzeptablen Leinwandauftritt ab und beweist Mut: Auch wenn Diana Ross gemeint ist, lässt die Rolle auch Parallelen zu Beyoncés eigener Karriere zu. Die Entdeckung ist aber die Debütantin Jennifer Hudson, die wie eine Naturgewalt durch den Film donnert. Mit einer fantastischen Stimme gesegnet, beweist sie auch als Schauspielerin erstaunliches Talent. Von den acht Oscar-Nominierungen für "Dreamgirls" ist ihre die einzige, die ohne Abstriche nachzuvollziehen ist.

(Morgen in München: Mathäser, Maxx, Royal, Gloria, Leopold, Cadillac, Cinema und Museum i.O.)

"Dreamgirls"

mit Beyoncé Knowles, Jamie Foxx, Jennifer Hudson

Regie: Bill Condon

Annehmbar ***

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