News-Ticker: Polizei soll Attentäter von Barcelona erschossen haben

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Der schwierige Frauenschwarm

- München/Lugano - Hätte ihn nicht von Kindesbeinen an das Theater fasziniert, wäre er wohl gleich Philosoph geworden. Welch ein Verlust wäre das gewesen! Für die deutschsprachige Film- und Theaterszene seiner Zeit. Und für die Frauen . . .

<P>So hat er sich erst im hohen Alter seiner eigentlichen Berufung, wie er es nannte, nämlich der Mystik, Metaphysik und Religionsphilosophie, gewidmet. Und uns Zuschauern vorher viele Filme beschert, die zu Meilensteinen der Kinogeschichte wurden. Die Schauspielerei war für Otto Wilhelm Fischer "eine Sache, um leicht Geld zu verdienen". Eben dieses Geld ermöglichte ihm ab Mitte der Sechzigerjahre das Leben, von dem er "eigentlich schon immer geträumt" hatte: Fernab des aufgeregten Showbusiness und des glamourösen Daseins als einer der gefragtesten Filmstars der Nachkriegszeit die Ruhe genießen zu dürfen. Umgeben von Büchern, Schallplatten - und ungefähr zwanzig Katzen.<BR><BR>Schauspielerei war für O.W. Fischer nur gepflegter Zeitvertreib</P><P>Am 1. April 1915 wurde Fischer im österreichischen Klosterneuburg geboren. Der Vater Jurist und später Hofrat der niederösterreichischen Landesregierung, der ältere Bruder Franz Sektionschef des österreichischen Bundespressedienstes - eine Karriere als Schauspieler galt in den Kreisen, in die Fischer hineingeboren wurde, nicht als Traumkarriere für einen Sohn. So studierte der folgsame Sprössling nach der Matura erst einige Semester Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in Wien, bevor er, endlich volljährig, ab 1936 am Max-Reinhardt-Seminar Schauspielunterricht nehmen konnte. </P><P>Sein Debüt hatte er in Schnitzlers "Liebelei" an der Wiener Josefstadt, es folgten Engagements an den Münchner Kammerspielen, am Volkstheater und Burgtheater in Wien. Zeitgleich begann seine Arbeit beim Film. Die Liste der Kassenschlager, in denen O. W. Fischer die männliche Hauptrolle spielte, sind Legion. Man hat rückblickend fast schon das Gefühl, jeder seiner Filme war ein Erfolg.<BR><BR>An der Seite von Hans Moser in "Meine Tochter lebt in Wien" (1940) ging es los, es folgten in relativ kurzem zeitlichen Abstand 40 weitere Produktionen: "Erzherzog Johanns große Liebe", "Heidelberger Romanze", "Bis wir uns wieder sehen", "Der träumende Mund", "Solange du da bist", "Herrscher ohne Krone", "Bildnis einer Unbekannten", "Skandal in Ischl" und und und.<BR><BR>Für einen Mann, der die Schauspielerei nur als ein Mittel zum Zweck und eine Art "gepflegten Zeitvertreib" ansah, eine beachtliche Liste. Der Gentleman mit dem leicht nasalen Wiener Akzent wurde zu seiner Paraderolle, Fischer zum umjubelten Gast auf Partys und Premieren. Über die Zahl seiner Damenbekanntschaften wurde damals gerne und viel gemutmaßt. Fischer schwieg. "Ich habe nie etwas davon gehalten, mit meinen Amouren zu prahlen. Der Mann lässt sich verspeisen und schweigt."<BR><BR>Besonders an die Dreharbeiten zu "Ludwig II." (1954) und seine Münchner Zeit im Allgemeinen erinnerte sich Fischer stets gerne: "Da waren wir noch jung, meine Frau und ich." Fischer heiratete die aus Prag stammende Kollegin Anna Usell 1942. Anlässlich seiner Hochzeit ging ein Aufschrei durch die österreichischen und deutschen Boulevardblätter. Anna Usell war zwölf Jahre älter als ihr Gatte. Damals noch ein echter Skandal.<BR><BR>Die mögliche Weltkarriere scheiterte in Hollywood<BR><BR>Seine Verehrerinnen waren dem Frauenschwarm aber nicht lange böse. An seinem Image als immer leicht überheblich und unnahbar wirkender Elegant des deutschsprachigen Kinos änderte auch die Tatsache nichts, dass Fischer Regisseuren wie Filmpartnerinnen oft als unbequemer Arbeitsgenosse galt. Winnie Markus, Heidemarie Hatheyer oder Ruth Leuwerik arbeiteten mit ihm. Als überaus "schwierig" bezeichnete ihn einmal Maria Schell, mit der er jahrelang als "Traumpaar" galt. "Ich war nicht schwierig", verteidigte sich der Star mit dem Faible für zwiespältige, grüblerische und oft mit Mystik beladene Charaktere empört. "Ich habe mich nur beim Filmen immer wieder gegen die Technik aufgebäumt, denn die muss der Kunst untertan sein. Nicht umgekehrt."<BR><BR>Natürlich rief ihn Hollywood, doch die mögliche Weltkarriere Fischers scheiterte. Offiziell wurde der Vertrag in Hollywood nach zwei Wochen wieder gelöst, "wegen unüberbrückbarer Differenzen". Fischer selbst erklärte sein Scheitern mit einer schweren Amnesie, die ihn seinen gesamten Text vergessen ließ. "Es ist passiert, man kann das nicht erklären. Aber es war nicht der einzige Beinbruch meines Lebens", kommentierte Fischer diesen Lapsus rückblickend mit einer gewissen Altersmilde. "Eine derartige Absence hatte ich auch einmal in Salzburg auf der Bühne, während eines Stücks von Hofmannsthal. Das war wirklich schlimm." Fischer wurde in "My Man Godfrey" durch David Niven ersetzt.<BR><BR>Wieder zurück in Europa, feierte er 1958 mit der Shaw-Verfilmung "Helden", in "Peter Voss der Millionendieb" oder der Simmel-Adaption "Es muss nicht immer Kaviar sein" große Erfolge. Seine Karriere neigte sich Anfang der Sechzigerjahre ihrem Ende zu. Fischer trat nur noch gelegentlich im Fernsehen auf, spielte hin und wieder Theater und genoss ansonsten das Leben in seinem idyllisch gelegenen Kastell hoch über dem Luganer See.<BR><BR>"Zeit wirds, dass der liebe Gott mich abberuft."<BR>O.W. Fischer</P><P>"Ich habe meine Frau, meine Freunde und sogar viele meiner Katzen überlebt", meinte Fischer im vergangenen Jahr. "Zeit wird's, dass der liebe Gott auch mich abberuft." Das hat er nun getan. Wie erst gestern bekannt wurde, ist O. W. Fischer bereits am vergangenen Donnerstag in einem Krankenhaus in Lugano gestorben.<BR></P>

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