Schygullas Träume

- "Ach ja und dann ist es doch irgendwie soweit, da schleppt man sich durchs Leben. . .", sagt Hanna Schygulla, und das gilt leider auch für ihr Programm. "Der Tango, Borges und ich. . ." - unter diesem Motto gastierte der einstige Fassbinder-Star gemeinsam mit dem "Tango immortale"-Duo Peter Ludwig, Klavier, und Sissy Schmidhuber, Cello, im Münchner Prinzregententheater.

Und wären die beiden nicht, man hätte sich im falschen Film gewähnt. So schnell wie sich der zu Beginn den Flügel umziehende Theaternebel verflüchtigt, so schnell verfliegt auch die Spannung, wenn die Schygulla die kurzen Geschichten des argentinischen Dichters Jorge Luis Borges (1899 - 1986) rezitiert.

Die Schauspielerin will damit in die mysteriöse Welt von Borges entführen, thematisiert die Furcht vor Träumen, dem Verborgenen in der Seele, Begegnungen mit dem Fremden, dem Feind. Sie spricht von Sehnsüchten und der Suche und Rückkehr in die Vergangenheit, vom Spaziergang mit einem Mädchen, deren Intensität dem Erotischen so fern war. Doch an Erotik und Spannung fehlte es auch der Schygulla. Mal gesprochen, mal mit dunklem, rauchigem Timbre eher als Sprechgesang präsentiert, trug sie ihre Texte erst in Deutsch, anschließend in Spanisch vor.

Doch ihre Phrasierung und Theatralik ermüdete, machte ihre pseudomystisch-artifizielle Performance zu einer blut- und glutarmen Veranstaltung. Ihr fehlt die zu diesem Thema gehörende Laszivität, glaubwürdige Sehnsucht und tiefe schmerzvolle Traurigkeit.

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