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Keinen Ärger mit dem Altern: „Ich hatte nie ein Übergangsproblem, ich sah immer älter aus, als ich war.“

Sean Connery wird 80: Keltischer Dickschädel

Sean Connery feiert heute seinen 80. Geburtstag. Zur internationalen Film-Legende wurde der vielseitige Schauspieler als James Bond. Vielen gilt er bis heute als der einzige, der ideale 007.

Zu ungehobelt, zu haarig – an den falschen Stellen – und zu schottisch. Das jedenfalls findet Ian Fleming, Erfinder von James Bond, als Sean Connery zum Darsteller seines Superagenten berufen wird. Den Produzenten Harry Saltzman und Albert Broccoli imponiert der 1,89-Meter-Hüne und ehemalige schottische Bodybuilding-Meister, weil er sich „elegant wie eine Katze“ bewegt und eine herbe Männlichkeit ausstrahlt. Die Eleganz hat sich Connery in elf Jahren Tanzunterricht angeeignet, die Aura ist ein Gottesgeschenk.

Obwohl er keine Schauspielausbildung hat und bereits als 30-Jähriger unter Haarausfall leidet, wird Connery also James Bond. Entgegen der Legende ist Connery da aber kein Niemand, der es über Nacht vom Sargpolierer und Möbelpacker zum Superstar schafft. Er hat schon einige Hauptrollen gespielt, unter anderem in BBC-Filmen wie „Hamlet“ oder „Anna Karenina“ – und gute Kritiken eingeheimst.

Beim ersten „Bond“ mit 17 000 Dollar abgespeist

„Sag niemals nie“: 1983 drehte Sean Connery noch einmal einen „James Bond“-Reißer, obwohl er geschworen hatte, 007 endgültig aufzugeben.

Nach den ersten Testaufnahmen ist auch Fleming angetan – so sehr, dass er seinem Helden Bond prompt eine schottische Herkunft andichtet. Der erste „Bond“-Film, „Dr. No“, wird ein weltweiter Sensationserfolg und markiert den Beginn der erfolgreichsten Filmreihe aller Zeiten. Inflationsbereinigt spielen die bislang 20 offiziellen „Bond“-Abenteuer weit über zehn Milliarden Dollar ein. Erlöse aus DVD-Verkäufen und Fernsehrechten gar nicht eingerechnet. Die Freude wird schnell getrübt, es geht wie immer ums Geld. Connery, beim ersten Teil mit 17 000 Dollar abgespeist, pocht auf bessere Bezahlung. Man nennt ihn gierig, weil er bei Gewinnbeteiligungen eigene Buchhalter anstellt, die die Angaben der Produktionsfirma überprüfen. Connery, Sohn eines Lastwagenfahrers und einer Putzfrau, hat allerdings den richtigen Instinkt. Abgesehen vom Finanzgewerbe wird nirgends so sehr gelogen wie im Filmgeschäft, sobald es um Gewinnbeteiligungen geht.

Connery, der im heimatlichen Edinburgh schon mit neun als Milchmann arbeitet, mit 13 die Schule schmeißt und sich als Soldat, Aktmodell und anderen Aushilfsjobs über Wasser hält, stammt aus einfachen Verhältnissen, aber dumm ist er nicht. Die Produzenten unterschätzen ihn, und das wird er ihnen nie verzeihen. Es geht nicht nur um das Geld, es geht auch um die Ehre. Man zieht niemanden über den Tisch, wenn genug Geld für alle da ist. So sieht das Connery, der nach dem dritten „Bond“ ohnehin keine Lust mehr auf die Rolle hat, die er zunehmend als albern empfindet. 1967 steigt er nach fünf Filmen aus.

Man lockt ihn 1971 für die damals sagenhafte Rekordgage von 1,3 Millionen Dollar plus zwölf Prozent Umsatzbeteiligung für einen letzten Einsatz zurück. Die Gage steckt er demonstrativ in eine Stiftung, die begabten Schülern in Schottland eine Ausbildung ermöglicht. Zwölf Jahre später wird er, nur um die „Bond“–Macher zu ärgern, in „Sag niemals nie“ noch einen inoffiziellen „Bond“ drehen.

Was in diesem keltischen Dickschädel vor sich geht, verstehen die Filmleute einfach nicht. „Bond“-Regisseur Terence Young, der Connery mag, fasst es charmant zusammen: „Connery ist unkompliziert, aber nicht einfach.“ Connery selbst präzisiert das gewohnt unverblümt: „Ich habe nie Probleme mit Kollegen – es sei denn, sie sind Arschlöcher.“

Mit den „Bond“-Produzenten hat er ständig Probleme. Connery trägt zwar als 007 widerspruchslos Zweithaar, verzichtet aber privat darauf. Die Produzenten fürchten um sein Image. Er ist der erste Filmheld, der zum lichten Haar steht – und die Frauen liegen ihm trotz Halbglatze zu Füßen. Es ist gerade diese totale Selbstgewissheit, die Connery besonders macht. Wen schert da Pressearbeit? Connery hat dafür nicht viel übrig. 1965 gewährt er zu „Feuerball“ exakt ein Interview. Nur um darin auszuführen, dass es unter bestimmten Umständen legitim sei, einer Frau eine Ohrfeige zu verpassen. Bis heute weigert sich Connery, das zurückzunehmen, hat es aber später immerhin modifiziert: Nur mit der flachen Hand und halber Kraft dürfe man schlagen. Und wie reagieren die Frauen? Sie wählen Connery 1999 zum „Sexiest Man of the Century“.

Connery ist da längst ein noch größerer Coup geglückt: Er hat sich von 007 emanzipiert. Mit kommerziell zwar oft erfolglosen, aber ambitionierten Filmen erarbeitet er sich den Respekt der Branche und der Kritik. In den 80er-Jahren stellt sich dann verdient der Erfolg und eine glorreiche zweite Karriere ein. Filme wie „Highlander“ oder „Der Name der Rose“ werden Hits. Für „The Untouchables“ holt er sich 1988 zu Recht den Oscar ab. Und vollbringt das Kunststück, im dritten „Indiana Jones“ überzeugend Harrison Fords Vater zu spielen, obwohl er nur sechs Jahre älter ist. Hier zahlt sich Connerys Verweigerung des Jugendwahns aus. „Ich hatte nie ein Übergangsproblem, ich sah immer älter aus, als ich war.“

Für den Ritterschlag musste die Queen zu Connery reisen

Privat führt er mit einer zweiten Frau ein skandalfreies Leben und engagiert sich leidenschaftlich für die schottische Unabhängigkeit. Im Jahr 2000 feiert er in der Hinsicht seinen größten Triumph: Um ihn zum Ritter schlagen zu können, muss die englische Königin nach Edinburgh fahren. Connery besteht darauf und erscheint auch noch im Schottenrock sowie der gut sichtbaren Tätowierung „Scotland forever“ vor der Queen.

2005 erklärt er seinen Rücktritt vom Filmgeschäft und zieht sich auf die Bahamas zurück. Dort wird Thomas Sean Connery höchstwahrscheinlich auch heute, an seinem 80. Geburtstag, das tun, was er jeden Tag tut. Nämlich morgens zum Tee Zeitung lesen, danach im Internet sehen, was es Neues in der schottischen Heimat gibt und dann gemütlich eine Runde Golf spielen. Das treibt er nach eigener Aussage den lieben langen Tag.

Mit James Bond, dem Kerl, der ihm diesen angenehmen Lebensabend ermöglicht, hat Connery längst seinen Frieden gemacht. Mit den „Bond“-Produzenten nicht. „Die würde ich nicht einmal anpinkeln, wenn sie in Flammen stehen.“ Schön, dass es einen wie Connery gibt.

Zoran Gojic

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