Seeräuberjenny

- Lars von Trier hat bei den Filmfestspielen in Cannes am Montag mit seinem Wettbewerbsbeitrag "Dogville" und anti-amerikanischen Äußerungen provoziert. "Ich würde gern eine ,Free America-Kampagne starten - so wie Amerika mit dem Krieg ein ,Free Irak propagiert hat", spottete von Trier. Er sei zwar noch nie in den USA gewesen, "Dogville" mit Nicole Kidman sei aber ein "Kommentar dazu, wie sich Amerika in meinem Kopf darstellt".

In dem knapp drei Stunden langen Film nehmen die Bewohner eines winzigen Dorfes in den Rocky Mountains eine rätselhafte, schöne Frau auf, die vor Gangstern und der Polizei auf der Flucht ist. Doch die vermeintliche Nächstenliebe der Menschen hat ihren Preis: Die von Kidman gespielte Frau wird als Arbeitskraft benutzt, sexuell ausgebeutet und wie ein Hund gedemütigt und angekettet. Anders als in von Triers Filmen "Breaking The Waves" und "Dancer in The Dark" endet das Martyrium der Frau jedoch nicht mit deren Tod, sondern in blutiger Rache. Das Dorf und seine Bewohner werden ausgelöscht.<BR><BR>In der Inszenierung beschränkt sich von Trier nur auf das Wesentliche - und das ist in diesem Fall extrem wenig: Der ganze Film spielt in einer riesigen Halle, tagsüber sind deren Wände weiß, nachts schwarz. Auf dem grauen Boden sind mit Kreide die Umrisse der Häuser, Wege und Büsche markiert, ein paar Möbelstücke, Zweige und Autos gehören zum Inventar. "Dogville" ist inspiriert von der Ballade "Die Seeräuberjenny" aus der "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht und Kurt Weill. Von Trier variiert Brechts Verfremdungseffekt.<BR><BR>In Cannes hatte Lars von Trier in der Vergangenheit große Erfolge gefeiert. Mit "Breaking the Waves" holte sich der Däne 1996 den Großen Preis der Jury, mit dem tragischen Musicalfilm "Dancer in the Dark" mit Björk 2000 die Goldenen Palme. <BR>

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