Sehr persönliche Geschichten

- Das politische Kino scheint in aller Herren Länder allmählich eine Renaissance zu erleben. Die Programmplaner der Berliner Filmfestspiele reagierten auf diesen Trend, und erklärten Südafrika zum großen, sämtliche Sektionen übergreifenden Schwerpunkt dieser Berlinale. Eine gewisse Form von Etikettenschwindel ist dies trotzdem, denn tatsächlich gibt es bei insgesamt über 300 Berlinalebeiträgen nur einen Film aus Südafrika im Wettbewerb, einen im Panorama und einen im so genannten Kinderfilmfest. Zur Ehrenrettung gereicht da nur die zehnteilige Dokumentarreihe "Project 10: Real Stories from a free South Africa", die in der Sektion des Internationalen Forums zu sehen ist.

<P>Der südafrikanische Fernsehsender SABC 1 hat aus Anlass des zehnten Jahrestages der ersten demokratischen Wahlen eine Reihe von Dokumentarfilmen unter bereits erwähntem Titel "Project 10" in Auftrag gegeben. Junge einheimische Filmemacher konnten sich, mit der ansonsten schwer zu beschaffenden und hier endlich vorhandenen finanziellen Unterstützung, mit jeweils einem Thema ihrer Heimat auseinander setzen. Die entstandenen Geschichten sind oft sehr persönlich gefärbt, manchmal beklemmend und tragisch, dann aber auch wieder sehr skurril und lustig. Die Filme, ihre Thematik und ihre Inszenierung erzählen über Land und Leute, verraten aber auch viel über Herkunft und Charakter der jeweiligen Regisseure. </P><P>Zulfah Otto Sallies etwa, eine der renommiertesten Filmemacherinnen des Landes, stellt in "Through the Eyes of My Daughter" die komplizierte Beziehung zu ihrer eigenen halbwüchsigen Tochter ins Zentrum, die als junge Muslimin gerade ihr Herz für schicke Kleider und Make-Up entdeckt. Die Regisseurin Karin Slater beschäftigt sich in "The Meaning of the Buffalo" mit der Legende der Büffelmenschen und versucht mit der Kamera, in einem abgelegenen Dorf, unterstützt von einem Häuptling und dem Besitzer des örtlichen Lebensmittelgeschäfts, dem Geheimnis des Büffels als Totemtier auf den Grund zu gehen. Sehr gedehnt und langsam erzählt Slater, eine Naturfilmerin für diverse TV-Sender, ihre Geschichte, die den Zuschauer in die südafrikanische Mythologie einführt.<BR><BR>"Country of my skull" ist der einzige Beitrag im Wettbewerb, der sich mit einem südafrikanischen Sujet auseinander setzt. Allerdings ist Regisseur John Boorman in Großbritannien zuhause. Dennoch beschäftigt er sich mit einem sehr aktuellen politischen Aspekt der jüngsten südafrikanischen Geschichte. Sein Film, der auf den gleichnamigen Aufzeichnungen der Dichterin Antjie Krog basiert, spielt im Jahre 1994, als die Wahrheitskommission die Verbrechen der Apartheid aufarbeitete. Juliette Binoche ist eine einheimische Journalistin, die sich während der Anhörungen in einen amerikanischen Journalisten (Samuel L. Jackson) verliebt. <BR><BR>Boorman versucht in seinem üppig bebilderten Drama, die große Historie mit dem kleinen Alltag, die Gräuel der Apartheid mit Liebe und Ehebruch zu verbinden. Die Wahrheit steht über allem, lautet sein Credo. Dennoch ist "Country of my skull", trotz der exzellenten Hauptdarsteller, eher gut gemeint als wirklich gut. Doch ein Anfang ist gemacht, die Geschichte Südafrikas im kollektiven Filmbewusstsein zu verankern. Den nächsten Film zum Thema sollte aber vielleicht einer drehen, der die Apartheid nicht nur vom Hörensagen kennt.<BR><BR><BR></P>

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