Sein Auftrag: Lebe unsere Träume

- Dieser Artikel handelt von einem der berühmtesten Männer der westlichen Hemisphäre. Von einem, der die Lizenz zum Töten besitzt und selber niemals stirbt. Von einem, der seit nunmehr 40 Jahren antritt, die Welt zu retten. Von einem, der Martinis, schnelle Autos, edlen Zwirn und die wunderbarsten Frauen liebt. Sein Gesicht hat sich im Laufe der Dezennien verändert, aber der Name bleibt immer der gleiche: Bond, James Bond. Sein Auftrag lautet offiziell: Rettung der Welt im Namen ihrer Majestät. Aber eigentlich ist sein Auftrag ein anderer: Lebe unsere Träume.

<P></P><P>Der enorme Erfolg der Filme über den smartesten aller Briten lässt sich nicht allein dadurch erklären, dass es sich bei den Bond-Filmen stets um routinierte Actionproduktionen handelt mit allem, was der derzeitige Stand der Kino-Technik so hergibt. Bis heute verströmt James Bond den Duft der großen weiten Welt, er ist der Hauptdarsteller in unseren Träumen, wobei es sich bei Männern eher um die Tagträume als Superheld und bei Frauen eher um die abendlichen Fantasien vom Traummann handeln dürfte. Wir kennen sein Leben, und dank seiner Abenteuer wissen wir auch, wie's so läuft in der gewichtigen Politik und mit den Schurken des Universums. <BR><BR>Und genau hier liegt auch das Problem, mit dem jeder Bond-Darsteller wie auch jeder neue Regisseur zu kämpfen hat. James Bond ist wie Fußball: Jeder kennt sich aus, jeder kann mitreden, und jeder weiß es besser. So wird es auch der neuen Produktion "Stirb an einem anderen Tag" von Lee Tamahori ergehen: Den einen wird der Radikalfeminismus des letzten Teils fehlen, den anderen der geniale Tüftler "Q", und alle vermissen Sean Connery oder wenigstens Roger Moore. Nie ist es allen recht zu machen.<BR><BR>Dabei wird meistens übersehen, dass der amtierende Bond Pierce Brosnan die bislang besten Besucherzahlen in den Kinos erreichte. Und man muss selbst als eingefleischter Fan der Ur-Bonds gestehen: Mit seiner Leistung in "Stirb an einem anderen Tag" steckt Brosnan sämtliche Vorgänger in die Tasche. Zwar verströmt er immer noch nicht durch sämtliche Knopflöcher den Sexappeal wie weiland Sean Connery, aber Brosnan sieht besser aus denn je: Älter, härter und hagerer ist er, der aalglatte Schönling aus "Remington Steele" wurde endlich zu dem Mann, dem wir all die Abenteuer wirklich zutrauen, die er zu bestehen hat.<BR><BR>Bevor überhaupt die typischen Bond-Girls zum Titelsong (diesmal von Madonna) in hochartifizieller Weise über den Bildschirm flattern, ist bei Tamahori schon eine Menge passiert: So reitet James Bond auf haushohen Wellen nachts in Nordkorea ein, um sich in einen illegalen Waffenhandel einzuschalten und um ein wenig mit überdimensioniertem Kriegsspielzeug zu hantieren, entdeckt, gefangen genommen und nach allen Regelverstößen der Genfer Konvention gefoltert zu werden. Das wäre zu Zeiten von Moore, Connery oder Lazenby nicht möglich gewesen. Diese Episode im nordkoreanischen Knast markiert das neue, modifizierte Image des Superhelden. Verletzlich, aber schließlich doch unbesiegbar. <BR><BR>Tamahori versucht nicht, das Genre des Bond-Films neu zu erfinden, woran so viele ambitionierte Regisseure vor ihm gescheitert sind. Er weiß, was das Publikum sehen will, und setzt diese Erwartungen mit größtmöglicher Raffinesse, vielen überraschenden Wendungen und schnellen Dialogen um. James Bond, Figur wie Film, ist von Natur aus konservativ, und so scheint besonders in diesem 20., quasi dem Jubiläums-Bond, Nostalgie Trumpf zu sein. Da taucht beispielsweise Halle Berry als Bonds Mitstreiterin Jinx am Strand von Havanna aus den Fluten auf, und ihr knapper Bikini erinnert nicht nur entfernt, sondern ganz bewusst an den von Ursula Andress im ersten 007-Film "James Bond jagt Dr. No". Tamahori hat den alten Superhelden als modernen Mann inszeniert, der sich sogar von der Frau an seiner Seite retten lässt. Ansonsten bleibt alles beim Alten, aber das ist in diesem Fall wirklich nicht das Schlechteste.<BR></P><P>In München: Marmorhaus, Maxx, Royal, Gloria, Karlstor, Münchner Freiheit, Rio, Autokino, Sendlinger Tor, Museumslichtspiele und Cinema i. O., Gabriel, Kino Solln.<BR></P>

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