Seit 100 Jahren Jesus-Filme

- Jesus war schon immer ein Superstar - jedenfalls im Kino. Mel Gibsons umstrittener Film "The Passion of the Christ", ab morgen bei uns zu sehen, ist nur das letzte Glied in einer langen Kette filmischer Jesus-Darstellungen. Die älteste kam schon kurz nach der Erfindung des Kinos 1897 auf die Leinwand und stammt von den Erfindern, den Brüdern Lumière, persönlich. Seitdem haben sich dem Stoff zwar auch europäische Regisseure wie Pier Paolo Pasolini ("Das 1. Evangelium Matthäus", 1966) angenommen. Doch vor allem in Hollywood findet man jedes Jahrzehnt gleich mehrere Kinoauftritte Jesu.

<P>Kritik aus Kirchenkreisen</P><P>In vielen Fällen blieb es bei Nebenrollen: So taucht in "Sandalenfilmen" der 40er- und 50er-Jahre eine Christusgestalt auf: Zottelbärtig, langhaarig und mager - so sieht man ihn predigend am Wegesrand; öfter hängt er sterbend am Kreuz. Mit gütigem Blick spendet er armen Frauen Trost, stärkt einen zweifelnden Helden und verwandelt tapfere Römeroffiziere in zerknirschte Pazifisten.<BR><BR>Die preisgekrönten Filme "Ben Hur" und "Das Gewand" sind die prominentesten Beispiele dieses Genres - gleichermaßen ein Herrgottswinkel des Kinos und Ausdruck des Zivilisierungsprozesses, den die Nachkriegsgesellschaft des Westens vollzog. Doch schon 1912 gab es den ersten "richtigen" Jesusfilm: "From the Manger to the Cross" von Sidney Olcott. Unter großem Aufwand im Heiligen Land gedreht, geht's vor allem um die brave Illustration bekannter Bibelstellen.<BR><BR>Aber bereits dieser Film sorgte für heftigen Streit, endete er doch mit der Kreuzigung. Dafür, dass die Auferstehung ungezeigt blieb, hagelte es Kritik aus Kirchenkreisen. Da zeigte sich, wie sensibel das Thema ist. Wo die innersten Vorstellungen von Gläubigen wie Ungläubigen berührt werden, gelingt es nur selten, es allen recht zu machen. Auch Christus ist im Kino nur ein Kind seiner Zeit.<BR><BR>Zu den herausragenden Christusfilmen der folgenden Jahrzehnte gehört "King of Kings" (1927) von Cecil B. DeMille und dessen 1961er-Remake von Nicholas Ray. Typisch für beide war, dass es sich um mehr oder weniger plumpe Heldenstorys handelt, ähnlich wie "Die größte Geschichte aller Zeiten" (1965) von George Stevens. John Wayne spielt hier eine Nebenrolle als römischer Centurio, und Max von Sydows Jesus ist ein unsympathischer Rechthaber, der den Pharisäern ordentlich die Meinung geigt, ab und an lässig ein Wunder tut und sich weder von verführerischen Damen noch von Pontius Pilatus vom rechten Weg abbringen lässt.<BR><BR>Rechthaberei und beflissenen Glaubenseifer teilen diese Christusfiguren mit der fast zeitgleich entstandenen, sich exakt an den Bibeltext anlehnenden Darstellung Pasolinis: Ungleich asketischer als in Hollywood, ist dessen Christus doch auch ein von sich selbst eingenommener, antiintellektueller Tatmensch. "Weh euch, ihr Schriftgelehrten", ruft er wieder und wieder aus, und in seinem gnadenlosen Furor spiegeln sich bereits die zukünftigen Exzesse der Studentenrevolte, die Möglichkeit ihres Abgleitens in esoterische oder terroristische Extreme.<BR><BR>Seit dieser Zeit kam es zu unterschiedlichen Modernisierungen des Themas. Ob als Flower-Power-Musical - Norman Jewison's "Jesus Christ Superstar", 1973 -, als postmodernes Identitätsdrama - "Jesus von Montreal" von Dany Arcand, 1990 - oder als sehr direkte Passionsgeschichte in Scorseses "Die letzte Versuchung Christi" (1988): Plötzlich wird Jesus im Kino "einer von uns". Diese Filme, besonders der von Scorsese, lösten heftige Kontroversen aus. "Die letzte Versuchung Christi" betont die menschlichen Seiten des Gottessohns, lässt ihn an seiner Mission zweifeln und deutet ein Liebesverhältnis mit Maria Magdalena an. Damals von der Kirche geächtet, gilt er heute als eine der wichtigsten und glaubensstärksten Christusdarstellungen im Film.<BR><BR>Jesus immer gut aussehend<BR><BR>Der erfolgreichste Jesusfilm vor Mel Gibson ist einer der umstrittensten: "Das Leben des Brian" der Monty Pythons ist grandiose Komödie und provoziert in der lässigen Albernheit, indem er sich jedem Glaubensernst verweigert, zumindest alle Gläubigen.Höchst provozierend auch eine Variante aus Bayern: Herbert Achternbuschs "Das Gespenst" (1982). In einem Kloster steigt eine lebensgroße Christusfigur, gespielt vom Dichter und Filmemacher selbst, vom Kreuz herab und mischt sich, als Ober verkleidet, unter die Leute. <BR><BR>Achternbuschs Jesus begegnet Bürgern, Polizisten und einem Bischof und erfährt mitten im 20. Jahrhundert seinen zweiten Kreuzweg. Das erzürnte die Gemüter, allen voran den frisch gekürten CSU-Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann, der von Gotteslästerung sprach und Achternbusch 1983 den Bundesfilmpreis und die Zahlung bereits genehmigter Fördergelder verweigerte.<BR><BR>Besonderes Augenmerk gilt seit jeher den Hauptdarstellern: Immer gut aussehend, waren sie oft wie der "Malibu Jesus" Jeffrey Hunter ("King of Kings"), wie Max von Sydow, wie Willem Dafoe ("Letzte Versuchung") blond und blauäugig. Wer die Geschichte von über 100 Jahren Kino verfolgt, kann dabei allerdings auch auf eine merkwürdige Statistik stoßen: Je dunkelhaariger der Christus, desto erfolgreicher der Film. Selbst im Fall Gibson scheint sich das zu bestätigen: Hauptdarsteller Jim Caviezel hat zwar blaue Augen, aber dunkelbraune, fast schwarze Haare.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff
Die seit Jahren anhaltenden Gerüchte über die Hauptperson im dritten geplanten Spinoff zur eigentlichen "Star Wars"-Saga konkretisieren sich. 
Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff

Kommentare