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Senta Berger bei Dreharbeiten zu „Satte Farben vor Schwarz“, dem Spielfilmdebüt von Sophie Heldman.

Senta Berger über ihren Kinofilm „Satte Farben vor Schwarz“

München - Senta Berger ist ab Donnerstag nach vielen Jahren endlich wieder in einer Kino-Hauptrolle zu sehen: In dem bewegenden Liebesdrama „Satte Farben vor Schwarz" spielt sie an der Seite von Bruno Ganz eine lebensfrohe Frau, die den Entschluss fasst, ihrem Mann bis ans Ende der Welt zu folgen.

Wir trafen die sympathische 69-jährige Schauspielerin nach der Weltpremiere des Films beim Festival von San Sebastian, zu der sie von ihrem Ehemann Michael Verhoeven begleitet wurde.

-Sie haben zum ersten Mal mit Bruno Ganz gedreht. Haben Sie sich gut verstanden?

Ja. Das war eine schöne Überraschung. Wir konnten sehr harmonisch und ganz selbstverständlich miteinander spielen, ohne uns vorher groß verständigen zu müssen. Auch privat haben wir uns gut verstanden. Ich finde ihn faszinierend in seiner zurückhaltenden Art: Er ist gar nicht der typische extrovertierte Schauspieler. Er will vielleicht auch erobert sein. Und das scheint in unserem Fall geglückt… (Lacht.)

-Was hat Sie dazu bewogen, bei diesem Regiedebüt der Berliner Filmhochschülerin Sophie Heldman mitzuwirken?

Sie hat mich mit ihrem wunderbaren Drehbuch überzeugt: Das war wie ein Musikstück, das man sofort spielen konnte. In meinem Alter stellt man sich durchaus die Frage, was man tut, wenn der Lebenspartner eines Tages nicht mehr da ist. Mir hat es imponiert, dass das Paar im Film das Versprechen „Wo du hingehst, will ich auch hingehen“ bis zur letzten Konsequenz einlöst. Wir alle tendieren ja dazu, die Frage nach unserem Ende zu verdrängen - dabei ist das ein so wichtiges Thema! Und die Art und Weise, wie das Thema in diesem Film behandelt wird, ist mir sehr nahe.

-Inwiefern?

Nun, die Geschichte hätte ja auch abgleiten können in ein sentimentales, tränenreiches Drama. Stattdessen wird sie hier ganz diskret, feinsinnig und elliptisch erzählt. Dadurch bekommt sie etwas Geheimnisvolles: Der Zuschauer wird dazu eingeladen, die fehlenden Bruchstücke mitzudenken und die Geschichte in seinem Herzen hin und her zu bewegen. Das finde ich sehr schön. Außerdem konnte ich mich gut in meine Filmfigur hineinversetzen.

-Können Sie sich auch vorstellen, Ihrem Mann in den Tod zu folgen?

Ja. Wenn ich mir das nicht vorstellen könnte, dann hätte ich die Rolle nicht spielen wollen. Aber ich weiß nicht, ob ich selbst im Fall des Falles den Mut zu diesem Schritt hätte. Allerdings sehe ich in meinem Bekanntenkreis mit zunehmendem Alter mehr und mehr zurückgebliebene Hälften: Ich erlebe, wie bitter es sein muss, wenn der Partner stirbt. Ich fürchte, das ist ein Schnitt, der nicht mehr heilen kann.

-Meinen Sie, dass Sie selbst auch eine „zurückgebliebene Hälfte“ wären? Sie haben doch oft angedeutet, dass Sie und Ihr Mann sehr eigenständig seien - frei nach dem Satz von Alfred Polgar, in der Liebe sei es wichtiger, zwei zu bleiben, statt eins zu werden.

Ja, das stimmt. Aber andererseits ist es doch so, dass man sich erst in der anderen Hälfte erkennt. Insofern ist mein Mann auch mein Gefährte, den ich nicht missen möchte: Ich erkenne mich erst im Gespräch mit ihm - oder in der Art, wie er mich anschaut.

-Sie sind seit 44 Jahren glücklich verheiratet. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

In der Liebe gibt es keine Rezepte und keine Sicherheit. Man kann nur versuchen, gewisse theoretische Ratschläge praktisch umzusetzen: dem anderen mit Respekt zu begegnen; ihm seine Würde zu lassen; vorsichtig mit ihm umzugehen… Vieles davon haben wir befolgt - doch manchmal entgleitet es einem, und man fängt an, alles infrage zu stellen. Vielleicht ist das aber das Wichtigste im Leben: dass man sich selbst immer wieder infrage stellt. Eine Beziehung verändert sich ja im Laufe der Zeit. Ich bin heute ein anderer Mensch als mit Ende 20, und mein Mann natürlich auch. Das heißt, man muss immer wieder neu beginnen. Mit allem!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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