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„Ich bin kein heller Sopran, ich habe so eine Melancholie in meiner Stimme“ – und genau das gefällt Veronica Ferres. Trotzdem war es für sie eine Überwindung, vor dem gesamten Filmteam im Varieté-Theater GOP zu singen.

Neuer Film mit Ferres und Lauterbach

Set-Besuch "Unter deutschen Betten"

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München - Beim Besuch am Set der neuen Kino-Komödie „Unter deutschen Betten“ plaudern Veronica Ferres und Heiner Lauterbach mit uns über ihre Freundschaft.

Als er die Rollenbeschreibung hörte, gab’s für Heiner Lauterbach keine Zweifel mehr: „Ex-Mann der Titelheldin, der sie schlecht behandelt? Da bin ich dabei!“ Der Chauvi-Spruch und sein lautes Lachen passt zu der Kleidung, die der Schauspieler gerade trägt. Hawaiihemd, Goldkettchen, Diamantenringe, fies zurückgekämmte Haare. Ein Musikmanager, wie er im Drehbuche steht.

Showtime im GOP-Varieté-Theater in München. Doch im Publikum sitzen keine regulären Zuschauer, sondern Statisten. Sie dürfen jubeln und klatschen, als besagte Titelheldin auf die Bühne tritt: Veronica Ferres im schwarzen Kleid mit Glitzerbesatz. Hauptdarstellerin und Produzentin der Kinokomödie „Unter deutschen Betten“.

Über die Ferres wird viel geschrieben. Ewiges Superweib, Ehefrau vom schwerreichen und ob seiner Geschäfte ebenso umstrittenen Carsten Maschmeyer, einstige Partnerin von Regie-Legende Helmut Dietl. Das Heer von Neidern steht allzeit zum Lästern bereit. An diesem August-Tag im aufgeheizten Bühnenraum zeigt sie sich von ihrer bodenständigen Seite. Die Tochter eines Kohlen- und Kartoffelhändlers muss vor dem Interview „noch schnell wohin“, wirft sich dann eine Schlabber-Jacke über und lässt sich in den Klappstuhl neben Lauterbach fallen. Plumps. Bereit.

Seit 30 Jahren befreundet und für viele Filme gemeinsam vor der Kamera: Heiner Lauterbach und Veronica Ferres.

Die beiden giggeln herum. In breitem rheinischen Dialekt amüsieren sie sich darüber, dass ihr erstes gemeinsames Filmprojekt jetzt tatsächlich schon fast 30 Jahre her ist. Dietls „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ war das damals. Die zwei lernten sich kennen – und mussten gleich am ersten Tag eine Sexszene miteinander drehen. „Seitdem mochten wir uns“, sagt sie. „Weißt Bescheid, Schätzelein“, äfft er. Dass sie privat befreundet sind, man nimmt es ihnen ab. Klar, dass sie es dennoch immer wieder betonen. So habe Produzentin Ferres Schauspieler Lauterbach beim gemeinsamen Grillabend vom Filmprojekt erzählt. Und als sie sagte, sie spiele selbst mit, war er selbstverständlich sofort dabei. Weißt Bescheid.

Der Plot ist an Justyna Polanskas Bestseller „Unter deutschen Betten“ angelehnt. Polanska, von Holger Schlageter erdichtete Figur, erzählt darin als polnische Putzfrau von ihrem Alltag in deutschen Haushalten. Und im Film? „Da sieht man mich, Veronica Ferres, als die ehemalige erfolgreiche Schlagersängerin Linda, die alle Menschen sehr, sehr schlecht behandelt hat in ihrem Leben, sehr von oben herab“, erzählt die 51-Jährige. Doch Linda verlässt der Erfolg; sie arbeitet an ihrem Comeback – vergeblich. Und wie es die Umstände wollen: Die Einzige, die ihr hilft, als sie nichts mehr hat, ist ihre Putzfrau. „Wie meine liebe Linda durch die tiefe Schule der Demut geht und im Laufe des Films lernt, Mensch zu werden – das birgt schon voyeuristische Momente“, verrät Ferres. Die Blondine beim Wühlen im Müll oder beim Toilettenputzen, Latex-Handschuhe statt Lackschuhe, Arbeitskittel statt Abendkleid. In einer Szene darf sie sich dann noch von Kabarettistin Monika Gruber herumkommandieren lassen. „Die freut sich schon darauf, mir mal so richtig eins auszuwischen“, erzählt die Schauspielerin lachend.

Ihr geht es um die Selbstironie. Die Leute sollen sie sehen, wie sie es nicht von ihr erwarten würden. Wie weit musste sie eigentlich in ihrer eigenen Vita zurückdenken, um sich wieder in das Leben von Menschen mit einigen Euro weniger in der Tasche einfühlen zu können? „Da denke ich zurück an mein Studium“, beginnt Ferres – und zählt auf: „Ich hab’ am Fließband gearbeitet, ich hab’ Putzjobs gemacht, ich hab’ Plakate geklebt, ich hab’ gekellnert in Villen in Grünwald, ich hab’ Babysitterjobs gehabt, Französisch-Nachhilfe – alles mögliche.“ Lauterbach hört aufmerksam zu – und kann es sich dann nicht verkneifen: „Wie darf man sich Dich denn bei Französisch-Nachhilfe vorstellen?“ Giggel.

Man kann sich ganz gut vorstellen, wie Drehtage damals bei „Rossini“ aussahen. „Ziemlich so wie hier jetzt auch, das hat sich nicht verändert“, sagt Lauterbach grinsend. Auch damals musste sich Ferres – etwa in den erotischen Szenen – dann und wann überwinden. An diesem Tag im Münchner GOP ist das nicht anders. Vor dem gesamten Filmteam singt sie als Schlagersängerin Linda auf der Bühne ein Lied. Eine Herausforderung – aber das Ergebnis gefällt ihr: „Ich bin kein heller Sopran, ich habe so eine Melancholie in meiner Stimme. Das hört sich jetzt vielleicht blöd an – aber ich mag das.“ Wie es den Zuschauern gefällt, zeigt sich im Herbst nächsten Jahres, dann soll der Film in die Kinos kommen.

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