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Trailer zum Sadomaso-Bestseller

Kinokritik: Wie gewagt ist "Fifty Shades of Grey"?

Das „Fifty Shades of Grey“-Fieber grassiert. Viele Fans des Erotik-Bestsellers sind auf die Verfilmung gespannt.  Regisseurin Sam Taylor-Johnson entschärfte in ihrer Kinoversion die Sadomaso-Szenerie allerdings enorm.

Bei den Filmfestspielen in Berlin erzählen sogar Stars wie Charlotte Rampling, dass sie sich auf das Sadomaso-Werk freuen. Nun ist es so weit, der erste Teil der enorm erfolgreichen Romantrilogie (weltweit mehr als 100 Millionen Mal verkauft) kommt in die Kinos. Wie der Film ist? Fürchterlich kitschig. Anastasia Steele, Studentin der englischen Literatur, lernt den Geschäftsmann und Multimillionär Christian Grey bei einem Interview für die Uni-Zeitung kennen. Sie kommen sich näher, und die sexuell völlig unerfahrene Anastasia hat mit Christian den wohl einfühlsamsten ersten Sex, den sich eine Frau wünschen kann. Doch Grey will mehr: Romantik, Nähe, Kuscheln – das ist nichts für ihn. Er steht auf Sadomaso-Spiele mit Gehorsam, Fesseln und Peitschen.

Am Mittwoch fand die Premiere von "Fifty Shades of Grey" auf der Berlinale statt.

"Fifty Shades of Grey": Man sieht nichts

Mit der Besetzung der Anastasia tat die britische Regisseurin Sam Taylor-Johnson einen Glücksgriff: Dakota Johnson, Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson, verkörpert perfekt das unbedarfte Mädchen. Große Augen, Pferdeschwanz, sinnliche, rote Lippen. Und die haben bei „Fifty Shades of Grey“ einiges zu tun: Ana beißt sich immer wieder verlegen auf die Lippen, leckt darüber oder knabbert verträumt-lasziv an einem Bleistift von Grey. Der Film lebt von schmachtenden Blicken und kleinen Berührungen. Es gibt zwar die ein oder andere Sexszene. Doch bis auf nackte Popos und Busen sieht man – nichts. Die Protagonisten sprechen zwar immer wieder über mögliche Spielarten des Sadomaso. Einmal darf Grey Ana auch mit seiner Krawatte fesseln, beim nächsten Mal verbindet er ihr die Augen. Doch erst nach langen eineinhalb Stunden landen sie dann endlich in Greys sogenanntem Spielzimmer voller SM-Ausstattung. Doch auch da passiert – wenig.

Wer zarte Andeutungen und das Versprechen auf ein glückliches Ende mit der Liebe des Lebens mag, wird genau das bei „Fifty Shades of Grey“ finden. Doch wem das nicht genügt, wird lange zwei Stunden ungläubig im Kinosessel sitzen und sich fragen, was an all dem reizvoll sein soll.

FSK 16: Entschärfte Version von "Fifty Shades of Grey"

Sicher gibt es erotische Vorspiele, doch so richtig knistert es zwischen Dakota Johnson und Grey-Darsteller Jamie Dornan nicht. Anders als etwa Kim Basinger und Mickey Rourke im Filmklassiker „9 1/2 Wochen“ von 1986 bleibt es bei dieser Hollywood-Produktion bei Andeutungen, die eine Jugendfreigabe ab 16 Jahren ermöglichen.

Sadomaso wirkt bei all dem eher wie ein Lockmittel, um ein Massenpublikum anzuziehen. Was sich stattdessen als roter Faden durch die Geschichte zieht, ist die Sehnsucht einer jungen Frau, von einem Ritter gerettet zu werden – und sein gefühlskaltes Herz doch zum Schmelzen zu bringen. SM wird hier zum Symbol einer klaren Rollenverteilung der Geschlechter, bei der sie Kontrolle und Verantwortung an ihn abgibt.

Diese Grundidee verwundert wenig, hatte die Autorin E. L. James ihre Geschichte ursprünglich als Fortsetzung der Vampirsaga „Twilight“ begonnen und sicher ein ähnliches Zielpublikum im Kopf. Auch beim Film nahm sie wohl einigen Einfluss, wie Taylor-Johnson dem „Hollywood Reporter“ erzählte. Sie beklagte sich, dass die Zusammenarbeit mit James „richtig, richtig frustrierend“ gewesen sei. Möglicherweise hätte Taylor-Johnson, die als Foto- und Videokünstlerin einen Blick für Ästhetik beweist, ohne die Einflüsse von außen einen anderen Film geschaffen. So aber bleibt vor allem eines: Ernüchterung.

von Aliki Nassoufis

„Fifty Shades of Grey“

mit Dakota Johnson, Jamie Dornan, Luke Grimes

Regie: Sam Taylor-Johnson

Laufzeit: 125 Minuten

Website "Fifty Shades of Grey"

Fifty Shades of Grey: Bilder von der Premiere

Fifty Shades of Grey: Bilder von der Premiere

Rubriklistenbild: © Universal Pictures/dpa

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