Sieben Tage in Sanssouci

- Sieben Tage in Potsdam. Der verehrte Großmeister reist in klappriger Kutsche an und besucht seine Söhne Carl Philipp Emanuel Bach und Wilhelm Friedemann Bach, gerät dabei an den Hof von König Friedrich II. Zwei Lebenswelten werden miteinander konfrontiert - und berühren sich auf sonderbare Weise: hier der musische, durch den Vater traumatisierte Herrscher, der sich homoerotische Rollenspiele gestattet, dort Johann Sebastian Bach, von schwerem Augenleiden geplagt und der ewigen Auftragskunst leid.

<P>Beide stehen an der Schwelle zu neuen Lebensabschnitten. Friedrich II. verlässt das Stadtschloss, zieht um in sein Sanssouci; Bach will fortan nur noch für sich komponieren _ und widmet das erste Werk der neuen Zeit dem geschätzten Blaublut. "Sie wären ein wundervoller Sohn gewesen": Da sinkt der Kopf des Königs an die Brust des Komponisten.</P><P>Das viel versprechende Kino-Debüt von Regisseurin Dominique de Rivaz "Mein Name ist Bach" ist kein Musikfilm, kein Versuch, die Einzigartigkeit Johann Sebastian Bachs zu fassen. Auch kein Kostümfilm, der barocke Pracht beschwört, sondern die sieben Tage in schwitzig-schwüler Schmuddel-Atmosphäre vorüberziehen lässt.<BR>Vadim Glowna spielt den Komponisten als Knuddel-Zausel mit brüchiger Stimme, der sein Genie als selbstverständliches Handwerk zur Kenntnis nimmt. Wunderbar gegen den Strich besetzt ist Jürgen Vogel (Friedrich II.), der erst im Laufe des Films an Format gewinnt. Ein cooler Typ, dessen launenhaftes Ego nur mühsam das große Liebesbedürfnis verschleiert. Paul Herwig als "vernünftiger", zurückhaltender Bach-Sohn Emanuel wird von Anatole Taubman als Frauenheld Friedemann etwas in den Hintergrund gedrängt. Dass Dominique de Rivaz zu vieles anreißt - die gespaltenen Charaktere der Hauptpersonen, der Familienzwist, das Anbrechen einer neuen Musikepoche -, ist ein Problem des Films. Weniger die zurechtgebogene Historie. Dafür ist diese Potsdamer Woche zu gut erdacht. (In München: Mathäser, Isabella.)</P><P><BR>"Mein Name ist Bach"<BR>mit Vadim Glowna, Jürgen Vogel<BR>Regie: Dominique de Rivaz<BR>Sehenswert </P>

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