Sieg der Würde

"Rocky Balboa": - Er tut es also tatsächlich: Sylvester Stallone legt aller Häme zum Trotz den sechsten "Rocky" vor. Vor drei Jahren hatte er es in einem Interview mit dieser Zeitung ja angekündigt. Nur hat ihm das damals keiner glauben wollen. Stallone war da schon 57, und seine Zeit als Filmstar schien vorbei zu sein. Aber Stallone wollte "Rocky", der ihn vor 30 Jahren berühmt gemacht hatte, unbedingt einen würdigen Kinoabschied verschaffen. Eine Herzenssache also, und das merkt man dem Film an.<br /> Der Trailer zum Film

Die düster-stimmungsvollen Bilder knüpfen direkt an den ersten Teil an und haben nichts mit den zum Teil furchtbaren Fortsetzungen aus den 80er-Jahren zu tun. Rocky ist hier wieder, was er zu Beginn der Saga war: ein Verlierer. Das Geld, das er als Box-Champion erkämpft hat, ist weg, seine Frau tot, und der mittlerweile erwachsene Sohn hat mit dem Vater kaum Kontakt -­ dem Yuppie ist der Papa peinlich. Rocky hält sich derweil mühsam als Betreiber eines Restaurants über Wasser.

Die Menschen kommen, um den ehemaligen Box-Weltmeister zu sehen. Und Rocky tut, was er tun muss: Freundlich erzählt er immer wieder alte Anekdoten, posiert geduldig für Fotos und erträgt stoisch alle Schulterklopfer, die ihn wie ein Maskottchen der Stadt behandeln. Denn Rockys Stadt, also Philadelphia, ist als Handlungsort so präsent wie im ersten Teil. Nur ist es noch verkommener, die Kluft zwischen Reich und Arm noch größer als 1976. Und wie damals ist das eine Anspielung auf den Zustand des gesamten Landes.

Ansprache zur Lage der Nation

Stallone macht das clever. Egal wie man politisch steht -­ jeder kann sich bestätigt sehen. Liberale Skeptiker durch die nuancierte Darstellung des schleichenden Verfalls und rechtsgewirkte Konservative durch die ur-amerikanische Tugend des unerschütterlichen Optimismus, die Rocky auch hier wieder verkörpert. Als Rocky die Gelegenheit für einen Schaukampf mit dem amtierenden Champ Mason Dixie (Antonio Tarver) bekommt, der damit sein Image als emotionsloser Boxroboter loswerden möchte, greift Rocky zu. Natürlich hat er keine Lust, sich vorführen zu lassen. Er will seinen letzten Auftritt als Boxer würdevoll absolvieren und bereitet dem Champ viel mehr Probleme, als erwartet.

 "Rocky Balboa": Der Trailer zum Film

Stallone ist klug genug, das Spiel mit dem Unwahrscheinlichen nicht zu weit zu treiben. Natürlich kann ein Mann im Rentenalter (auch wenn Stallone in hervorragender Verfassung ist) den amtierenden Weltmeister nicht besiegen. Aber aus einer albernen Werbeveranstaltung einen echten Kampf machen, das kann er schon. Selbstverständlich erzählt Stallone hier, kaum verhüllt, seine eigene Geschichte. Ein Mann, der buchstäblich aus dem Nichts kommt, sagenhaften Erfolg hat und alles wieder verliert. Der nur noch vom Ruhm vergangener Tage zehrt und von der Chance träumt, es allen noch einmal zu zeigen. Und Stallone ist das mit diesem Film gelungen.

Er zeigt, dass er ein versierter Autor und Regisseur ist, der als Schauspieler unterschätzt wurde. Er packt allerhand in diesen Film -­ und gewinnt. Eine wunderbar subtile Liebesgeschichte hat er unaufgeregt eingeflochten und ­ als Strafpredigt an den Sohn getarnt ­ eine Art Ansprache zur Lage der Nation, in der Stallones persönliches Credo steckt: Es kommt vor, dass man in die Knie gehen muss -­ aber man darf niemals aufhören, wieder aufstehen zu wollen. Stallone hat es vorgemacht. Alle, die "Rocky" mochten, werden ihm auch jetzt wieder gerne dabei zusehen.

Ab morgen in München: Mathäser, Maxx, Autokino, Cinema und Museum i.O., Gabriel.

"Rocky Balboa"

mit Sylvester Stallone, Antonio Tarver, Burt Young

Regie: Sylvester Stallone

Sehenswert

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