Überraschungs-Treffen nach Trump-Absage: Nord- und Südkorea sprechen wieder

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Wir sind so eingesperrt

- "Jetzt bin ich happy, früher war ich glücklich." Sie fühlen sich ziemlich schlecht, die drei Paare, die Doris Dörries neuer Film für einen Abend während eines Essens umkreist. So ganz versteht man nicht, warum, denn in den schicken Wohnungen dieser Mittdreißiger geht es ziemlich bunt und fröhlich zu: Eine hat eine lilafarbene Perücke auf, einer fährt Fahrrad im Wohnzimmer, die Wände leuchten poppig in allen Grundfarben, die Dialoge werden durch kurze Schlager unterbrochen, die eine der Figuren im Playback mitsingt, und am Ende ziehen sich fast alle richtig nackt aus und betatschen sich.

<P>Diese verkrampfte Ausgelassenheit und die fröhliche Verzweiflung könnten zum Anfang und Anlass einer bitterbösen Satire werden. Die Zuschauer könnten etwas erfahren über Abgründe hinter dem Wohlstand. So hat, mit spitzem Witz und eisiger Präzision der französische Dramatiker Marivaux im 18. Jahrhundert die innere Leere der höfischen Gesellschaft seiner Zeit porträtiert, so entlarvten Hollywoods Screwball-Comedies in den 30er- und 40er-Jahren tiefsinnig unter humorvoller Oberfläche eine Welt aus Trug und Schein.</P><P>Doch eine Satire hatte Dörrie nicht im Sinn, und ihr Film "Nackt", basierend auf dem eigenen Bühnenstück "Happy", ist weder witzig, noch tiefsinnig, sondern nur öde. Offensichtlich meint sie es nicht zeitdiagnostisch als Milieubeschreibung, sondern einfach ernst, wenn sie ihre guten Schauspieler _ vor allem Nina Hoss, Alexandra Maria Lara und Jürgen Vogel _ plappern lasst: "Wir sind so eingesperrt." Oder: "Vor einem Jahr haben wir alle noch ganz anders ausgesehen. Da hatten wir Jeans und T-Shirt an." Und sie hält es für eine bedeutungsvolle Aussage, wenn man hört: "Jeder Augenblick ist so wichtig."</P><P>Offenbar ist es auch keine missglückte Ironie, wenn die Figuren im Wohnzimmer ein Campingzelt aufschlagen oder eine Pelzjacke anhaben, sondern soll allen Ernstes Symbol sein für Heimatlosigkeit und soziale Kälte. In überlangen Dialogen reiht sich eine Banalität an die nächste. Und alles mündet in ein Blinde-Kuh-Spiel, bei dem die Paare testen, ob sie einander nackt, mit verbundenen Augen erkennen. Jedem kann einmal etwas misslingen. Aber bei "Nackt" ist die Fallhöhe offensichtlich, weil sich nicht übersehen lässt, dass hier mehr gewollt ist als in "Mädchen, Mädchen". Wäre die Regisseurin jünger, hätte sie nicht längst bewiesen, dass sie geschmackvolle Filme und überdies gute Satiren drehen kann, würde man von Unreife sprechen. So bleibt einfach nur Ratlosigkeit und Enttäuschung. (In München: Gloria, Filmcasino, Leopold, Rio, Atlantis.)</P><P>"Nackt"<BR>mit Nina Hoss, Heike Makatsch, Jürgen Vogel<BR>Regie: Doris Dörrie<BR>Erträglich  </P><P><BR> </P>

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