Sinfonie des unerwiderten Gefühls

- Die wahre Liebe ist immer jene, die sich nicht erfüllt. Nahezu alle Schriftsteller von Shakespeare über Goethe bis Fontane haben sich daran abgearbeitet. Regisseur Paul McGuigan hat aus einer solchen im Unglück versandenden Beziehung einen atmosphärisch dichten, ganz auf seinen Hauptdarsteller Josh Hartnett konzentrierten Psychothriller geschaffen. "Sehnsüchtig" erzählt die Geschichte des jungen Matthew (Hartnett), der seine große Liebe Lisa (Diane Kruger) durch missliche Umstände wieder verliert und fortan sein Leben damit verbringt, Lisa wieder aufzustöbern irgendwo auf dem Erdenrund.

<P>Hitchcocks Motiv der Besessenheit fließt genauso ein in diesen soghaften Film um Liebe, Wahrheit und Täuschung wie Elemente aus Gilles Mimounis thematisch ähnlich gelagertem Kinodrama "Lügen der Liebe" von 1996 mit Monica Bellucci und Vincent Cassel in den Hauptrollen. Mit der die Leinwand in Brand setzenden Leidenschaft Cassels kann Hartnett als braver "American Boy" zwar nicht mithalten, aber die Konstruktion des Drehbuchs ist insgesamt so vielschichtig und gut durchdacht ausgearbeitet, dass eine derartige Präsenz auch gar nicht nötig ist. </P><P>Was einen als Zuschauer hier in den Film reißt und sanft-elegische Gemüter garantiert auch zum Taschentuch greifen lassen wird, sind andere Dinge: Unterstützt von einem fabelhaft stimmigen Soundtrack (Coldplay), komponiert McGuigan eine in kühle Farben getauchte Sinfonie des unerwiderten Gefühls und der verpassten Chancen, in der Blicke und kleine, scheinbar nebensächliche Gesten so viel mehr Bedeutung besitzen als das, was die Figuren gerade sagen.</P><P><BR>Diesen spannenden Gegensatz zwischen der großen Emotion und der betont sachlich-nüchternen Umsetzung konterkariert allerdings der schmalzige deutsche Titel "Sehnsüchtig". Im Original heißt der Film nach dem Treffpunkt der Liebenden schlicht "Wicker Park". Hätte auch gereicht. Diane Kruger, die bereits als Helena im Troja-Film für Aufruhr unter Männern sorgte, hat hier wieder einmal den undankbaren Part der zur Salzsäule erstarrten Schönheit. Doch das Sehnen und die dazugehörige Sucht verkörpert sie ebenso wie Hartnett und Rose Byrne, die Dritte in diesem unheilvollen Liebeskreisel, rundum überzeugend.</P><P>"Sehnsüchtig"<BR>mit Josh Hartnett, Diane Kruger, Rose Byrne<BR>Regie: Paul McGuigan<BR>Sehenswert </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ich wünsche dir ein schönes Leben“: Ounie Lecomtes Porträt berührt spät
Eine Frau will mehr über die leibliche Mutter ihres Adoptivsohnes erfahren – davon handelt der Kinofilm „Ich wünsche dir ein schönes Leben“. Hier lesen Sie unsere Kritik.
„Ich wünsche dir ein schönes Leben“: Ounie Lecomtes Porträt berührt spät
„Maria Mafiosi“: Eine Hochschwangere auf Verbrecherjagd
Polizistin Maria erwartet mit ihrem Geliebten Rocco, dessen Familie in kriminelle Machenschaften verstrickt ist, ein Kind. Dann häufen sich die Leichen.
„Maria Mafiosi“: Eine Hochschwangere auf Verbrecherjagd
Morden um zu überleben: „Das Belko-Experiment“
Am Ende kämpft jeder für sich selbst – das zeigt Greg McLeans neuer Horrorfilm „Das Belko-Experiment“. Menschen müssen, um selbst zu überleben, Kollegen töten.
Morden um zu überleben: „Das Belko-Experiment“
Eine fabelhafte Kopie: „Der wunderbare Garten der Bella Brown“
„Der wunderbare Garten der Bella Brown“ ist zwar nett, erinnert jedoch stark an „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Lesen Sie hier unsere Kritik.
Eine fabelhafte Kopie: „Der wunderbare Garten der Bella Brown“

Kommentare