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Sofia Coppola

Sofia Coppola: "Blick hinter die Kulissen des Showbiz werfen"

Zum Start vom „Somewhere“: Regisseurin Sofia Coppola über ihre Super-8-Anfänge, Nachtarbeit und den Starkult in Hollywood.

Als Tochter von Regie-Legende Francis Ford Coppola wurde sie ins Filmgeschäft hineingeboren: Schon als zehn Wochen altes Baby agierte Sofia Coppola erstmals vor Papas Kamera – in der Taufszene in „Der Pate“.

28 Jahre später machte sie mit ihrem Regiedebüt „The Virgin Suicides“ Furore. Für ihren zweiten Film „Lost in Translation“ gewann sie den Drehbuch-Oscar, für ihr neues Werk „Somewhere“ den Goldenen Löwen in Venedig.

Die Tragikomödie, die am kommenden Donnerstag bei uns anläuft, handelt von einem ausgebrannten Hollywood-Star, der durch seine kleine Tochter wieder zum Leben erweckt wird.

Wissen Sie noch, wann Ihre Filmleidenschaft geweckt wurde?

Schon früh. Es hat mir als Kind Spaß gemacht, meinem Vater bei Dreharbeiten zuzuschauen. Mit meinem Bruder habe ich eigene kleine Super-8-Filme gemacht. Und in der Schule habe ich Hausaufgaben am liebsten in Form von Videos abgeliefert, weil mir das leichter fiel, als etwas aufzuschreiben.

Sie scheinen auch heute noch den Worten zu misstrauen: In Ihren Filmen gibt es auffallend wenige Dialoge.

Ich finde es interessanter, eine Geschichte nicht über Dialoge, sondern über Bilder zu erzählen. Die meisten können doch ihre Gefühle nicht gut ausdrücken. Sie sagen oft mehr durch das, was sie nicht sagen. Das fasziniert mich.

Fällt Ihnen das Drehbuchschreiben leicht? Oder finden Sie es anstrengend?

Ich muss mich regelrecht dazu zwingen. Meistens schreibe ich eine Geschichte erst in Prosaform nieder und wandle sie dann in ein Drehbuch um. Daheim habe ich ein Zimmer, in das ich mich zum Arbeiten zurückziehe. Früher habe ich vorzugsweise nachts geschrieben, weil es da weniger Ablenkung gab. Das geht jetzt nicht mehr, seitdem ich zwei kleine Töchter habe.

Was war die Grundidee für „Somewhere“? Wollten Sie Hollywoods Glamour-Welt entmystifizieren?

Ich wollte einen Blick hinter die Kulissen des Showbiz werfen. In den USA gibt es einen geradezu abartigen Starkult. Viele Leute wollen unbedingt berühmt werden und finden es wahnsinnig cool, einen Ferrari zu fahren, dekadente Partys zu feiern und sich Stripper aufs Hotelzimmer zu bestellen. Ich wollte untersuchen, wie es jemandem ergeht, der tatsächlich so ein Leben führt: Wie fühlt er sich am Morgen nach der Party?

Ihr Film spielt im mythenumrankten Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard. Kennen Sie den Ort aus eigener Erfahrung?

Ich bin schon zu Schul- und Studienzeiten oft dorthin gepilgert, weil ich es aufregend fand, all die schillernden Gestalten zu beobachten. Jeder Hollywood-Star, der etwas auf sich hält, hat dort mal eine Zeitlang gelebt – von Humphrey Bogart bis Johnny Depp. Ein Ort, der Filmgeschichte atmet.

Ist die Atmosphäre dort heute immer noch so?

Viele der damaligen Hotelangestellten arbeiten nach wie vor im Chateau Marmont. Es ist immer noch faszinierend, hat aber ein wenig von seiner Unschuld verloren. Zum Beispiel gibt es dort jetzt viel mehr Paparazzi als früher: Viele Gäste kommen bloß her, um gesehen und fotografiert zu werden.

Wie kamen Sie auf Stephen Dorff als Hauptdarsteller?

Ich fand schon immer, dass er ein guter Schauspieler ist, der kaum zeigen durfte, was er drauf hat. Ihm haftet ein Böser-Junge-Macho-Image an, aber dank gemeinsamer Freunde wusste ich, dass er ein sehr netter Kerl ist. Es war mir wichtig, jemanden zu besetzen, mit dem man als Zuschauer mitfühlen kann, obwohl er eine relativ unsympathische Figur verkörpert.

In Ihrem Film wirkt er so, als hätte er während der Dreharbeiten tatsächlich nicht viel Schlaf bekommen…

Stimmt. Manchmal kam er morgens total verkatert an den Set und sagte: „Sorry, ich war heute Nacht noch in so einer Strip-Bar…“ Sie sehen, er hat sich wirklich in seine Rolle hineingekniet!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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