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Römische Galeere: Auch zwei Kriegsschiffe wurden für die „Ben Hur Live“-Show gebaut.

Ben Hur soll die ganze Welt erobern

Art-Concerts-Chef Franz Abraham über sein Experiment: 50 Jahre soll das „Monutainment“-Spektakel laufen

Ein eigenes Gestüt, eine Million Euro teuer, mit 40 Prachtpferden haben sie gekauft. 500 Tonnen Spezialsand haben sie für die Proben in den Düsseldorfer ISS Dome gekarrt. Zwei Galeeren haben sie gebaut – und dann ist da ja noch dieses wahnwitzige Wagenrennen. 60 Lastwagen braucht es, um alle 4000 Requisiten, alle Scheinwerfer, Bühnenelemente und maßgeschneiderten Kleider von Aufführungsort zu Aufführungsort zu schaffen.

„Ben Hur Live“ ist ein tollkühnes Projekt, ein Projekt der Superlative. Aber Veranstalter Franz Abraham gabelt erst einmal ein paar Erbsen aus seinem Schüsselchen. Es ist sein Mittagessen. Er sitzt in der Düsseldorfer Multifunktionshalle, inmitten der Bühnenarbeiter, Schauspieler und Statisten. Abraham legt los. Bescheiden kann er nicht. „Es ist ein Konzept, das Epoche machen wird“, sagt er. Nicht mehr, nicht weniger. Man müsse davon ausgehen, dass Ben Hur „länger als 50 Jahre“ laufen werde. Gerade habe Las Vegas angerufen. Das Großhotel „Caesars Palace“ will die Gladiatoren-Show auf seiner Bühne aufführen. Aber keine Chance, Las Vegas will er nicht erobern – wenn, dann soll es die ganze Welt sein. Drunter macht es Abraham nicht. Für „Ben Hur Live“ haben sie extra ein neues Wort erfunden. „Monutainment“ nennen sie es. Ben Hur unterm Hallendach ist ein Versprechen – und ein Experiment.

Am 17. September ist die Uraufführung seines Sandalen-Spektakels in der O2-Arena in London , am 30. und 31. Oktober sind Ben Hur , sein Gegenspieler Messala, die Gladiatoren, Jesus, 150 Tänzer, 100 Statisten und 100 Tiere in der Münchner Olympiahalle zu Gast.

Ben Hur mit seiner Esther: Sebastian Thrun und Lili Gesler vor einem von fünf Gespannen fürs Wagenrennen.

Produktionskosten insgesamt: 6,5 Millionen Euro, sagt Abraham – ohne laufende Kosten. Es ist teuer, sehr teuer, ein Risiko. Aber Mittelmaß kann Abraham nicht leiden. Er arbeitet ausschließlich mit Profis. Ben Becker hat als Sprecher zugesagt, Stewart Copeland, Gründer der Rockband „The Police“, hat die Musik komponiert, Mark Fisher ist für das Design verantwortlich. Fisher ist jener Mann, der die legendäre Konzertbühne für Pink Floyd („The Wall“) entworfen hat. „Ben Hur Live“ soll eine Show sein, die knallt. Auch die einfachen Menschen von der Straße, so Abraham, werden sagen: „Es war jeden Cent wert. Das Hallendach wird beben.“ 35 Euro kostet das billigste Ticket.

Abraham nimmt noch eine Erbse, dann muss er los. Er muss zu den Styropor-Pferden, sie stehen ein paar Gänge von der improvisierten Kantine entfernt. Ein Künstler hat die Gäule gebaut, sie sind Teil der Kulisse, aber Abraham gefallen sie nicht. „Sieht komisch aus“, schnaubt er, „wie aus der Augsburger Puppenkiste.“ Das Tier muss umgebaut werden, bestimmt der Produzent, um jedes Detail kümmert er sich. 16, 17 Stunden dauert sein Arbeitstag. „Ben Hur“ ist vielleicht das Projekt seines Lebens.

Zu teuer, hoffnungslos, unmöglich, erzählt Abraham – so haben die Leute anfangs reagiert, als er seine Ideen vorstellte. Wie soll das, bitteschön, gehen? Ein Wagenrennen in der Halle, mit fünf Quadrigen auf der Fläche eines Eishockey-Felds, auf 40 mal 70 Metern. Schließlich beschleunigen die Pferde auf 60 Kilometer pro Stunde. „Das ist die Formel 1 der Antike“, so Abraham.

Der Berliner Pferdetrainer Nicki Pfeifer hat Dutzende Pferde getestet, bis er die richtigen gefunden hatte. „Rennen beibringen muss ich ihnen nicht“, erklärt Pfeifer, „das können sie von Natur aus.“ Das Problem ist das Bremsen. Pfeifer trainiert jeden Tag mit den Tieren. Seit anderthalb Jahren jetzt schon. Ben Hur braucht schließlich ein Prachtgespann für den Höhepunkt der Show.

Abrahams Handy klingelt, das tut es alle zwei Minuten. Vollstress. Er muss weiter, das mit dem Puppenkisten-Pferd ist geklärt. Jetzt hetzt er die Gänge entlang, hinein in sein Büro im ISS Dome. Die Schwerter für die Kämpfe sind aus Amerika eingetroffen. Sie sind massiv, schwer und originalgetreu. „Handgeschmiedet“, sagt Abraham. Was sonst. Es soll die perfekte Illusion werden.

Ben Hur begleitet Abraham schon ein Leben lang. Die Verfilmung mit Charlton Heston hat 1960 elf Oscars gewonnen. Es war der allererste Kinofilm, den Abraham gesehen hat. Er war damals zwölf, das Kino stand in Rosenheim . Jetzt schließt sich der Kreis. „Der Kampf, der Held, das Martialische, das Spirituelle, das Weiche, das Dramatische, das Schöne, das alles ist Ben Hur“, schwärmt Abraham. Und irgendwie ist es auch ein Märchen – Abraham plant bereits das ultimative Happy End. Gerade hat er dem Bürgermeister von Rom eine Videobotschaft geschickt. Er will den Circus Maximus, in dem früher tatsächlich Wagenrennen ausgetragen wurden, als Spielstätte für sein Ben Hur-Spektakel. Es wäre ein Coup, nirgends wären sich Fiktion, Inszenierung und Geschichte näher.

„,Ben Hur Live‘ ist eine Pioniertat an vorderster Front“, postuliert Franz Abraham , und es klingt nur ein bisschen überheblich, übel nimmt man es ihm nicht. Denn für Abraham ist es schlicht: die Wahrheit.

von Stefan Sessler

Infos: am 30. und 31. Oktober in Münchens Olympiahalle; Karten unter: 01805/ 57 02 00 oder www.benhurlive.de

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