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In dieser Szene von „Sommer in Orange“ tritt Thomas Loibl als Oberguru Prem Bramana bei einem Trachtenfest auf.

„Sommer in Orange“: Om trifft auf Amen

In „Sommer in Orange“ prallen zwei Kulturen aufeinander: Freizügigkeit trifft auf Frömmigkeit, Tantra-Sex auf Trachtenverein, Om auf Amen. Lustvoll jongliert Regisseur Marcus H. Rosenmüller mit den Klischees. Hier der Kino-Trailer:

Die Bhagwan-Anhängerin Amrita zieht 1980 mit ihrer Berliner Sannyasin-WG auf einen geerbten Bauernhof in der bayerischen Pampa. Zwei Kulturen prallen aufeinander: Freizügigkeit trifft auf Frömmigkeit, Tantra-Sex auf Trachtenverein, Kombucha-Pilz auf Knödel, Pluderhose auf Lederhose, Om auf Amen. Die Eindringlinge werden von den Dörflingen als potenzielle Terroristen und Satanisten misstrauisch beäugt, Amritas zwölfjährige Tochter Lili wird von ihren Mitschülern geschnitten – dabei wünscht sich das Mädchen nichts sehnlicher als eine normale Familie. Als Lili heimlich ihr orangefarbenes Batik-Shirt gegen eine brave Trachtenbluse tauscht, gerät sie zwischen alle Fronten.

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Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“) erzählt diese Tragikomödie in sinnlichen, saftigen Cinemascope-Bildern. Das Drehbuch stammt von der Dokumentarfilmerin Ursula Gruber, die selbst in einer bayerischen Sannyasin-Kommune aufgewachsen ist und damals am liebsten ihre wilde Kindheit gegen eine gutbürgerliche Existenz eingewechselt hätte. Aus der Sicht eines zwölfjährigen Kindes entlarvt sie Vorurteile und Verlogenheit auf beiden Seiten – und zeigt, dass die angeblich so freigeistigen Bhagwan-Jünger oft kleingeistiger waren als die ach so spießigen Dorfbewohner.

Dabei bleiben die Charaktere trotz mancher Fehler stets liebenswert: Gruber und Rosenmüller blicken mit Menschlichkeit und Herzenswärme auf das skurrile Geschehen, jonglieren lustvoll mit Klischees und finden eine feine Balance zwischen Humor und ernsten Untertönen. Dass dem Regisseur bei einer zünftigen Massenkeilerei kurz der Bauerntheater-Gaul durchgeht, verzeiht man ihm gern.

Petra Schmidt-Schaller („Ein fliehendes Pferd“) überzeugt als flippige Eso-Braut auf Selbstfindungstrip, Amber Bongard („Groupies bleiben nicht zum Frühstück“) als ihre aufgeweckte Tochter auf der Suche nach Liebe, Georg Friedrich („Nordwand“) als Amritas Lebensabschnittspartner, der Bhagwans rigoroses Vegetarier-Diktat umgeht, indem er sich verstohlen in der Metzgerei Würste besorgt wie bei einem Dealer. Auch die Nebenrollen sind großartig besetzt: Thomas Loibl spielt einen öligen Oberguru aus Oregon, Heinz Josef Braun den reaktionären Bürgermeister, der lüstern durch die Hippie-Hecke linst, und Brigitte Hobmeier eine Kommunardin, die völkerverbindend mit dem schnuckeligen Postboten anbandelt.

Sonniges Sommerkino aus Bayern – ein neuer Rosenmüller-Knüller!

Marco Schmidt

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