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Blick in einen Abgrund von Verrat: Sophia Loren in „Geheimaktion Crossbow“ (1965). Das Foto stammt aus dem hervorragenden, mit informativen Texten zu Filmen und Biografie gewürzten Bildband „Sophia Loren – Hollywood Collection“, der bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen ist (29,95 Euro) – ein Buch mit Suchtpotenzial.

Sophia Loren: „Ab und zu ein Bad in Olivenöl“

Bis heute das Ideal nicht nur der italienischen Frau: Sophia Loren feiert am Sonntag ihren 75. Geburtstag

Kein Schriftsteller würde es wagen, eine so erbärmlich erfunden klingende Geschichte zu schreiben: Uneheliches Mädchen wächst in größter Armut in der Provinz auf, wird bei einer Miss-Wahl entdeckt, geht zum Film, wird ein Weltstar und heiratet ihren Entdecker, mit dem sie bis an sein Lebensende zusammenbleibt.

Sophia Loren: Eine Hommage in Bildern

Sophia Loren: Eine Hommage in Fotografien

Natürlich wird sie auch noch reich, berühmt und glücklich. Und dennoch: Es ist dies in aller Kürze die wahre Geschichte der Sofia Villani Scicolone, die als Sophia Loren Karriere machte. An diesem Sonntag feiert der größte weibliche Filmstar, den Italien hervorbrachte, 75. Geburtstag.

Der Start ins Leben ist wenig vielversprechend. Sophia kommt in Rom unehelich zur Welt. Im erzkatholischen und faschistischen Italien ein Makel. Die Familie landet in einem Vorort von Neapel und fristet ein ärmliches Dasein. Aber Sophias Mutter hat große Pläne für ihre Tochter. Als junge Frau hatte sie erste Schritte im Filmgeschäft gemacht, nun strebte sie für Sophia eine ähnliche Laufbahn an. Um ihre eigenen Träume auszuleben – und aus blanker Not. Die Familie ist auf Honorare von Fototerminen angewiesen.

Sophia, die als Kind „Stuzzicadenti“ (Zahnstocher) gerufen wird, weil sie so dürr ist, entwickelt sich zu ihrem Glück zur Ausnahmefrau, die auffällt. Mit 1,75 Metern ist sie – zumal in Italien – hochgewachsen. Auch sonst ist die Natur außerordentlich gut zu ihr. Sophia Loren sieht genau so aus, wie eine Frau in der Fantasie von Männern eben aussieht – nur ein bisschen mehr. Mit der üppigen Figur, dem dunklen Teint und den funkelnden grünen Augen ist sie das Fleisch gewordene Klischee der heißblütigen Italienerin. Ihre natürliche Schönheit führt sie später darauf zurück, dass sie „das Leben, Spaghetti und ab und zu ein Bad in Olivenöl“ liebt.

Von der Mutter angetrieben, tritt sie 1950 zum Wettbewerb der „Miss Italia“ an – mit gerade 15 Jahren. Sie belegt den zweiten Platz. Aber viel wichtiger ist, dass sie Carlo Ponti trifft. Der ist zwar einen Kopf kleiner, 22 Jahre älter, aber, sehr wichtig, Filmproduzent. Die beiden werden ein Paar, was zum einen der Beginn einer bemerkenswerten Karriere ist, andererseits für Kopfschütteln sorgt.

In „Zwei Nächte mit Kleopatra“ sorgt Sophia Loren 1954 mit einem freizügigen Auftritt für einen kleinen Eklat. Im selben Jahr dreht sie mit Marcello Mastroianni den Sensationserfolg „Schade, dass Du eine Kanaille bist“. Der Durchbruch, dem beinahe das Ende folgt: 1955 soll Loren zu einer Veranstaltung nach Belgien fliegen, sagt aber in letzter Minute ab. Ihre Kollegin Marcella Mariani vertritt sie. Beim Rückflug stürzt die Maschine, in der die Loren hätte sitzen sollen, ab. Alle Insassen sterben.

Die Sechzigerjahre werden ihr großes Jahrzehnt. Sie spielt in Klassikern mit den Stars der Traumfabrik. Beachtlich ist, wie souverän Loren mit dem Erfolg umgeht. Sie beherrschte das Kunststück, selbstbewusst aufzutreten und dennoch niemanden zu vergrätzen. Jedenfalls niemanden, der für ihre Karriere wichtig ist.

Auch wenn die Karriere in den 70ern langsam austrudelt, kommen immer wieder ansprechende Rollen. Dennoch ist man in der Heimat Italien mit der Zuneigung sparsam. Stolz, ja das ist man. Aber man liebt sie nicht. Der Grund ist die Sache mit Mentor Ponti.

Der hatte Loren 1957 geheiratet. Nun war er aber ein verheirateter Mann, und das katholische Italien weigert sich, die Ehe offiziell anzuerkennen. Im Gegenteil: Man unterstellt Ponti Bigamie. Die Vorstellung, Sophia Loren habe eine Ehe zerstört, bleibt hartnäckig in den Köpfen. 1966 müssen beide, diesmal in Frankreich, noch einmal heiraten. Derweil tauchen regelmäßig wilde Gerüchte über vermeintliche Affären der Loren mit ihren Filmpartnern auf. Man traut ihr so ziemlich alles zu.

Nach der Geburt der Kinder Carlo (1968) und Eduardo (1973) zieht sich die Loren weiter zurück, bleibt aber präsent. Mit bis heute über 90 Filmen und einigen Skandalen. 1982 geht Loren wegen Steuerhinterziehung 18 Tage ins Gefängnis, anstatt eine Strafe zu zahlen. Die Italiener können mit dieser Märtyrerpose der reichen Frau wenig anfangen. Und vielen gefällt es nicht, wie sehr Loren ihre Nichte Alessandra Mussolini fördert. Loren hilft der Enkelin des Diktators erst ins Showgeschäft und unterstützt ihre politische Karriere bei der neofaschistischen Partei.

Zuletzt sorgte Loren 2007 für Titelgeschichten, als sie ankündigte, sich im Falle des Aufstiegs des Lieblingsvereins SSC Neapel komplett auszuziehen. Neapel stieg auf, aber Loren hielt ihr Versprechen nicht. Immerhin gelingt es ihr, wenigstens mit Kochbüchern positive Schlagzeilen zu ernten. Als patente Mama macht Sophia Loren ihre Pizza und Pasta selbstverständlich selbst. Und alle, die ihre Pizza Margherita kosten durften, schwören, sie sei himmlisch. So bleibt sie im Alter, was sie als junge Frau war: das Ideal einer Italienerin.

Zoran Gojic

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