Später Jüngling als Frauenheld

- Die unvergleichliche Mischung aus irrationaler Panik und ekstatischer Erwartung vor dem berühmt-berüchtigten "ersten Mal" löst schon bei Teenagern bizarre Verhaltensmuster aus. Um wie viel schlimmer ist das Ausmaß der Persönlichkeitsdeformation dann also erst bei einem ausgewachsenen Mann, der auch mit 40 Jahren noch unberührt ist?

Dieser Frage widmet sich die Komödie "Jungfrau (40), männlich, sucht . . ." in aller Breite. Trauriger Held ist Elektrofachverkäufer Andy (Steve Carrell), der unauffällig und zurückgezogen vor sich hin lebt. Sein streng geregelter und unfassbar langweiliger Alltagstrott wird zufällig durchbrochen, als ihn seine Kollegen einmal zu einem Pokerabend einladen und bei dieser Gelegenheit herausfinden, dass Andy Jungfrau ist. Sofort werden Krisenpläne entworfen, die diesen unhaltbaren Zustand schnellstens beenden sollen.

Auf Druck seiner Freunde versucht Andy, doch noch ein Frauenheld zu werden, und macht alles falsch, was man so falsch machen kann.

Das ist gelegentlich kalkuliert geschmacklos inszeniert, aber dennoch überraschend unterhaltsam geraten. Den Witz verdankt der Film im wesentlichen der Leistung des Hauptdarstellers Steve Carrell, der als schüchterner und gutmütiger Außenseiter überzeugt.

(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Autokino, Sendlinger Tor, Cinema i. O.)

"Jungfrau (40), . . ."

mit Steven Carell,

Catherine Keener

Regie: Judd Apatow

Annehmbar

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