Spätes Seelenheil

- Rafael (Ricardo Darin) steht unter Druck: Seine geschiedene Frau nervt nur noch, um seine Tochter kümmert er sich zu wenig, die hübsche Freundin will endlich heiraten, das väterliche Restaurant, das er gerade übernommen hat, erfordert seine ganze Arbeitskraft, und auch seine Eltern halten ihn auf Trab. Denn der Vater ist nach 44 Jahren Ehe plötzlich religiös geworden und möchte seine geliebte Frau noch einmal heiraten.

<P>Um das Seelenheil zu sichern, soll die kirchliche Trauung nachgeholt werden, was allerdings schon deswegen Probleme bereitet, weil die Mutter an Alzheimer erkrankt ist. Ein leichter Herzinfarkt gibt Rafael den Rest. Kurz und gut: Der 41-jährige Mann, der am liebsten immer ein großes Kind bleiben würde, muss erwachsen werden. Eigentlich eine traurige Geschichte über einen, der die Hälfte seines Lebens schon hinter sich hat und alles andere als glücklich ist.</P><P>Dem argentinischen Regisseur Juan José Campanella gelang mit "Der Sohn der Braut" der erfolgreichste lateinamerikanische Film des Jahres, das jüngste Münchner Filmfest wurde mit ihm eröffnet. An Billy Wilder oder Howard Hawks, die der Regisseur als Vorbilder nennt, muss man zwar nicht denken, dazu ist das Werk zu sentimental, zu eindeutig und zu wenig subversiv in seinen Botschaften. Doch auch wenn der leichte, lockere Film die Zuschauer nicht durch zu viel Tiefsinn überfordert, bleibt er eine jederzeit geschmackvolle und unterhaltsame Komödie.</P><P>Im Laufe des Films rücken Ricardos Eltern immer mehr ins Zentrum: Der ein bisschen kindische Vater (Héctor Alterio) und die schon halb debile, doch immer würdevolle Mutter (Norma Aleandro) steigern die Handlung ins Absurde. Ganz unkritisch ist diese humane Mischung aus Albernheit und Melodram dabei nicht: Man wird auch Zeuge des Zerbrechens einer Macho-Idylle, erlebt Rafaels Selbsterkenntnis, die nicht zwangsläufig in ein Happy-End mündet. (In München ab morgen: Eldorado, Isabella, Theatiner i.O.)"</P><P>Der Sohn der Braut"<BR>mit Ricardo Darin, Héctor Alterio, Norma Aleandro<BR>Regie: Juan José Campanella<BR>Annehmbar</P>

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