Spannung vor Bären-Verleihung

- Berlin -Jetzt schlägt die Stunde der Jury. Nach langen Tagen im dunklen Kinosaal des Berlinale-Palastes tritt das internationale Gremium unter Vorsitz des kanadischen Regisseurs Atom Egoyan am Samstag ins Licht der Öffentlichkeit: Am Nachmittag gibt die siebenköpfige Jury die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären der 53. Internationalen Filmfestspiele Berlin bekannt.

<P>Als Favoriten für die Berlinale-Trophäen gelten zwei Filme aus den USA, aber auch Regiearbeiten aus China und Spanien. Publikum und Kritiker liebten vor allem Stephen Daldrys hoch gehandelten Frauenfilm "The Hours" mit Nicole Kidman, Meryl Streep und Julianne Moore sowie Spike Lees preiswürdige New York-Hommage "25th Hour" mit Edward Norton.</P><P><BR>Die deutschen Filmemacher wurden mit viel Anerkennung und Respekt vom einheimischen und ausländischen Festivalpublikum aufgenommen, haben im Bären-Rennen aber allenfalls Chancen auf Darstellerpreise. Mit drei, sehr unterschiedlichen Beiträgen waren die Deutschen gut vertreten im offiziellen Wettbewerbsprogramm. Wolfgang Becker begeisterte die Zuschauer mit seiner DDR-Komödie "Good Bye, Lenin!". Hans-Christian Schmid setzte mit dem an der deutsch-polnischen Episodenfilm "Lichter" politische Akzente. Als letzter deutscher Film lief am Freitag Oskar Roehlers Drama "Der Alte Affe Angst". Roehler ("Die Unberührbare") erzählt die harte, radikale Geschichte einer bedingungslosen Liebe, die Hauptrollen spielen Marie Bäumer und Andre Hennicke.<BR><BR>Sie ist eine auf den ersten Blick selbstbewusste und unabhängige Ärztin. Er ist ein Theaterautor mit extremen Stimmungsschwankungen, der seine Freundin körperlich nicht mehr begehrt und seine Lust bei Prostituierten befriedigt. Daneben kümmert er sich um seinen an Krebs sterbenden Vater, der von Vadim Glowna gespielt wird. Trotz aller Widrigkeiten liebt sich das Paar auf eine Weise. "Viele Männer haben das Problem, dass ihr Sexualverhalten nicht kompatibel ist mit dem der Frauen", meinte Rohler. Trotz seiner Härte habe der Film auch etwas Romantisches, sagte der Regisseur. "Die Menschen in dieser Geschichte sind etwas Besonderers, sie sind eben keine Soap-Figuren." Das Publikum war sowohl fasziniert als auch abgestoßen von dem Film.<BR><BR>Einer der Bären-Anwärter ist "The Hours", in dem raffiniert das Leben und Werk von Virginia Woolf (Kidman) mit dem Schicksal einer in den 50er Jahren lebenden Hausfrau (Moore) und einer in der Gegenwart lebenden Lektorin (Streep) verknüpft wird. Ebenfalls unter den Favoriten ist "25th Hour". Darin wird von einem verurteilten Drogendealer (Norton) erzählt, der seine letzten 24 Stunden auf freiem Fuß im New York nach dem 11. September verbringt. Insgesamt 22 Filme aus aller Welt waren im Berlinale-Wettbewerb an den Start gegangen.<BR><BR> Preisverdächtig ist auch die kanadisch-spanische Koproduktion "My life without me" der spanischen Regisseurin Isabel Coixet. Sie erzählt die Geschichte einer krebskranken jungen Mutter, die gegen ihr Schicksal aufbegehrt und aus den gewohnten Bahnen ihres Lebens ausbricht. Chancen werden auch dem Regiedebüt des Chinesen Li Yang eingeräumt, der mit "Blinder Schacht" einen spannenden und sozialkritischen Film über chinesische Bergarbeiter gedreht hat. Regie-Altmeister Zhang Yimou ("Rote Laterne") begeisterte die Zuschauer mit dem historischen Kung-Fu-Drama "Hero".<BR><BR>Nach der Preisübergabe am Samstagabend wird als Abschlussfilm Martin Scorseses bereits für die Oscar-Verleihung nominiertes Einwanderer-Epos "Gangs of New York" mit Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis und Cameron Diaz gezeigt. Am Sonntag gibt es dann erstmals den Berlinale-Kinotag, an dem Filmfans noch einmal die Gelegenheit haben, die Sieger- und andere Festivalfilme zu sehen.<BR><BR></P>

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