Spiel auf der Klaviatur des Horrors

- Als die in London lebende Modelagentin Kate (Franka Potente) nachts auf die U-Bahn wartet, nickt sie kurz ein. Wieder erwacht, bemerkt sie, dass sie einige Zeit fest geschlafen haben muss. Der Bahnhof ist inzwischen verschlossen, Kate kommt nicht mehr heraus aus dem Untergrund. Und die neonbeleuchtete Haltestelle ist plötzlich doch nicht so menschenleer, wie Kate auf den ersten Blick glaubte . . .

<P>Der britische Regie-Debütant Christopher Smith hat sich einen wunderbaren Schauplatz für seinen ambitionierten, deutlich an den Genre-Klassikern aus den Siebzigerjahren angelehnten Horrorfilm "Creep" ausgedacht. Schließlich ist der Gedanke, die Nacht allein auf einem abgeriegelten, riesigen U-Bahnhof verbringen zu müssen, an sich schon unangenehm. Smith verstärkt dieses instinktive Unwohlsein, das sich bis zur klaustrophobischen Panik steigern kann, sukzessive und unmerklich. Schon lange, bevor die eigentlich tödliche Bedrohung durch den großen Unbekannten einsetzt, spielt Smith virtuos auf der Klaviatur des Horrors.<BR><BR>Stille. Dumpfe Schritte. Schweres Atmen in der Dunkelheit des Metro-Schachtes. Reißschwenks. Bis zur Hälfte des Films gelingt es Smith meisterhaft, die Spannung in jeder Einstellung zu steigern. Danach kippt die an sich klug umgesetzte Drehbuch-Idee, dass der Verfolger niemals sichtbar wird. Aus dem stets gesichtslosen Typus des Schwarzen Mannes wird ein von Narben entstelltes Wesen mit kahlem Schädel und blutunterlaufenen Augen. Eine schlechte Kombination aus Freddy Krüger, Mike Meyers und einem Haufen Hackfleisch. Die Erklärung, wieso und weshalb sich diese Kreatur in den Schächten der Londoner U-Bahn aufhält, ist nicht wirklich überzeugend. Und auf einmal gilt das auch für den Rest des Films. Die vorher so clever aufgebaute Spannung verpufft irgendwo im düsteren Schacht, stattdessen behilft sich Smith nun mit viel leuchtend rotem Blut und Gekröse.<BR><BR>An diesem mehr als schwachen Finale ändert nicht einmal mehr Franka Potente etwas, die lauter kreischen kann als weiland Jamie Lee Curtis in "Halloween" und noch schneller laufen als in "Lola rennt". <BR><BR>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Cinema i. O.)<BR><BR>"Creep"<BR>mit Franka Potente, Vas Blackwood<BR>Regie: Christopher Smith<BR>Annehmbar</P>

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