Spielbergs moralische Anstalt

- Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet der erfolgreichste Regisseur der Welt, Steven Spielberg, noch nie eine Liebesgeschichte gedreht hat? Dass er von Frauen nicht viel zu erzählen weiß, dass seine Erwachsenen immer große Jungen sind, die sich mit ihren Vätern versöhnen müssen, oder gleich Kinder?

Was unsere Populärkultur an Spielbergs Stoffen so sehr fasziniert, das ist noch nicht wirklich gefragt worden. Einmal mehr hat Spielberg mit "Krieg der Welten", seiner kaum originalgetreuen Anverwandlung und Amerikanisierung von H.G.Wells' berühmtem Zukunftsroman aus dem Jahr 1898, einen Stoff gefunden, in dem er genau das erzählen kann, wovon er schon zuvor immer wieder erzählt hat. Zum dritten Mal geht es um die Begegnung von Menschen und Aliens, im Unterschied zu "Unheimliche Begegnung der dritten Art" und "E.T." sind diese Außerirdischen diesmal kompromisslos böse und mörderisch.

Mit Raumschiffen und allerlei technischem Gerät kommen sie auf die Erde und legen ohne zu argumentieren, zu verhandeln, sich auch nur zu erklären, Städte in Schutt und Asche, ballern auf alles, was sich bewegt, töten Menschen oder nehmen sie gefangen, um ihnen mit einem überdimensionalen Rüssel ihr Blut auszusaugen. Es scheint kein Mittel gegen sie zu geben, ungehemmt führen sie ihren Vernichtungskrieg. Ihr Ziel ist - eine gewiss bewusst gewählte sprachliche Analogie zur Erfahrung des Faschismus - "die Auslöschung". Vor ihr flieht eine amerikanische Familie - stellvertretend für "uns alle".

Hilfreiche Bakterien

"Krieg der Welten" ist eine Mischung aus Horror und Katastrophenfilm, angereichert mit den üblichen Zutaten fast aller Spielberg-Filme: ein Auto als Druck- und Schutzkammer. Ein süßes Kind, auf den ersten Blick naiv und naseweis, dann hinter aller Unschuld doch intelligenter als die Erwachsenen. Ein Vater, der eine auseinanderdriftende Familie wieder zusammenkitten und damit auch sich selbst therapieren will. Ein Mann, der gescheitert ist - Opfer von Wirtschaft, Krieg oder welcher Modernisierung auch immer - und dann durch die besondere Herausforderung in sich selbst nicht vermutete Kräfte entdeckt. Kino also als moralische Anstalt, die die wahren Werte freilegt, als öffentliche Schaubühne des "american dream" und der "family values". Jeder kann es schaffen, wenn er nur will, aber er muss es bitteschön auch im Hinblick auf gute Ziele wollen.

So lässt sich Spielberg seinen Glauben ans Gute nicht nehmen - darin bleibt er Regisseur der Industrie und der Gegenwart. Zugleich fällt er hinter die Differenziertheit seiner letzten Filme - "Minority Report" oder "A.I." zurück, unterhält auch weitaus schlechter als in "Catch me if you can". Das Ende dieses düsteren, merkwürdig disparaten, stellenweise fesselnden, dann wieder über weite Strecken langweiligen Films ist, wie die zwei Stunden zuvor, mit Verweisen auf diese früheren Filme gespickt.

Die Aliens verschwinden, wie sie gekommen sind. Sie sterben, weil sie zwar den Menschen, aber nicht den Bakterien und Parasiten gewachsen sind, die ihnen auf der Erde begegnen. Als ökologische Message sollte man dieses Happy End nicht missverstehen. (In München: Autokino Aschheim, Cadillac, Cinema i.O., Gabriel, Leopold, Marmorhaus, Mathäser, Maxx, Münchner Freiheit, Museum i.O., Royal, Kino Solln, Sendlinger Tor.)>> alle Filme, alle Kinos auf einen Blick bei munich online 

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