Sprudelnder Witz und scharfe Satire

- "Ich bin weiterhin klein gewachsen und jüdisch. Insofern hat sich grundsätzlich nichts geändert." Ironisch, aber mit ernstem Unterton antwortete Woody Allen bei den Filmfestspielen von Venedig auf die Frage, ob sich sein Werk nicht verändert habe. Gemeinsam mit den Hauptdarstellern Jason Biggs und Christina Ricci präsentierte der Regisseur "Anything Else": "Ich habe versucht, die Darsteller gut auszuwählen und dann nichts kaputt zu machen." Mit dem Film, auf den ersten Blick eine typische Woody-Allen-Komödie, wurde gestern Abend das Festival eröffnet.

<P>Tatsächlich kehrt Allen in dieser Geschichte über einen zwischen Liebesleid, Freundschaft und Karriere hin- und hergerissenen jungen Mann zu seinen Anfängen als Stand-Up-Comedian zurück: Sprudelnd vor Wortwitz, mit Dialogen, die nur wenige Pointen auslassen, setzt der Film ganz auf die Macht der Sprache und der Interaktion der Darsteller, die sich die Gags zuwerfen wie in den klassischen Screwball-Komödien der 40er-Jahre. </P><P>Die Bilder treten hingegen stark in den Hintergrund. Das Zentrum bilden die bekannten Themen Allens: die Probleme, die Menschen mit sich selber und ihren Mitmenschen haben, die Lebenslügen und das Ringen mit den Tücken des Alltags. Musste man fürchten, sein Witz setze nach knapp 40 Regiearbeiten allmählich Staub an, zeigt er sich jetzt frisch wie lange nicht - und das Premierenpublikum lohnte es mit Lachern.<BR><BR>Der New Yorker Allen ist wie immer ein präziser Beobachter seiner Heimat. Und in der von ihm selbst gespielten Figur eines paranoiden Juden gelingt ihm eine scharfe Satire auf die Terrorängste nach dem 11. September 2001 und auf all das Gerede von der "Heimatverteidigung". Auch hierauf ging Allen in Venedig ein: "Natürlich hat New York sich verändert. Bei dem Stromausfall sah man, dass die Angst vor Terror präsent ist. Aber im Kern ist der Charakter der Stadt wie eh und je: Sie ist charmant und romantisch, voller intellektueller Kraft." Wie Allens Film: Der gelungene Auftakt eines ungewöhnlich viel versprechenden Festivaljahrgangs.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Goldener Bär für Ungarn - Bester Schauspieler aus Österreich
Berlin - Ungarn holt erstmals nach 42 Jahren wieder den Gold-Bären. Und der Österreicher Georg Friedrich wird bei der 67. Berlinale zum besten Schauspieler gekürt.
Goldener Bär für Ungarn - Bester Schauspieler aus Österreich
Es wird spannend: Das sind die Favoriten der Berlinale
Berlin -  Ein Öko-Thriller oder vielleicht auch ein Flüchtlingsdrama: Bei der Berlinale gibt es ein paar Favoriten auf den Gewinn. Am Samstag fällt die Entscheidung.
Es wird spannend: Das sind die Favoriten der Berlinale
“John Wick: Kapitel 2“: Zu zäh um wahr zu sein
Mit „John Wick“ wurde Keanue Reeves endlich wieder erfolgreich, doch „Kapitel 2“ scheint zwar actionreich, aber wenig durchdacht zu sein. Ein Fehler.
“John Wick: Kapitel 2“: Zu zäh um wahr zu sein
„Fences“: Die Wucht der Worte
„Fences“ erzählt von Mauern, die aufgebaut werden, Worten, die eine Familie zusammenhalten und auseinanderbrechen. Ein Film, der zu Recht für einen Oscar nominiert ist. 
„Fences“: Die Wucht der Worte

Kommentare