Auf dem Sprung

- Beim Pingpong stehen sich zwei Personen gegenüber. Ein Kampf, der sich als lockerer Zeitvertreib tarnt, aber eigentlich bitterernst gemeint ist. Das könnte die Idee gewesen sein, die den jungen Regisseur Matthias Luthardt zu seinem Spielfilm "Ping Pong" inspirierte.

Einem Familiendrama der beklemmenden Art. Die in der Steiermark geborene Marion Mitterhammer spielt die Mutter in dieser verhängnisvollen Konstellation. Eine Rolle, die sie sofort gereizt hat: "Diese Anna ist eine vollkommen ambivalente Frau. Intellektuell kann man die gar nicht erklären. Aber das ist ja gerade das Spannende. Gute Figuren müssen einfach ein Geheimnis haben."

Das besitzen ihre Rollen immer. Egal, ob es sich um einfacher strukturierte Charaktere in Fernsehreihen wie "Klinik unter Palmen" oder um kluges Kino wie "Böse Zellen" von der Österreicherin Barbara Albert handelte ­ Mitterhammer verlieh ihren Figuren stets einen Hauch mysteriöse Noblesse. Nach Genuss mancher zuckerwattesüßen Rosamunde-Pilcher-Verfilmung hatte man einen faden Geschmack im Mund ­ aber das Gesicht der erbosten, verzweifelten oder glückselig strahlenden Marion Mitterhammer im Kopf: "Die Pilcher-Verfilmungen sind ja nun auch schon ein paar Tage her", erinnert sich die in Wien lebende Schauspielerin.

Ernsthafte Schwierigkeiten bereitet ihr der Spagat zwischen anspruchsvoller Filmkunst und TV-Spektakel nicht: "Ich führe als Schauspielerin ein Doppelleben. Eine geraume Zeit habe ich mich da so durchgeschlängelt und mal einen experimentellen Studentenfilm gedreht, dann wieder einen ‚Tatort’. Anscheinend habe ich mich dadurch in beiden Welten etabliert. Das finde ich unglaublich spannend. Auch wenn ich inzwischen bemerke, dass die beiden unterschiedlichen Richtungen allmählich zusammentreffen."

Mittlerweile kann sich die 40-Jährige ihre Rollen aussuchen und muss keine Drehbücher mehr annehmen, die ihr nicht durch und durch zusagen, nur um die Miete zu zahlen. "Es ist wirklich ein Geschenk, in Filmen mitspielen zu dürfen, die man sich auch selbst gerne im Kino ansehen würde." Das cineastische Wagnis mit der schauspielerischen Herausforderung dreht Mitterhammer am liebsten. "Das ist brennend interessant. Ich fühle mich in Produktionen, in denen alle noch jung im Kopf sind, Dinge riskieren und auch mal Verrücktes wagen, einfach wahnsinnig wohl."

Seit ihren ersten Theaterengagements in Baden-Baden, Salzburg und Wien und ihrer ersten TV-Rolle der Lotti von Mitzko in "Der Salzbaron" versucht sie den Spagat zwischen E- und U-Film. "Ich glaube, dieser Gegensatz ist es, der mich am besten charakterisiert. Dinge und Beziehungen müssen eine gewisse Spannung haben. Nur ja nicht irgendwo zu lange hängen bleiben. Immer auf dem Sprung und unterwegs sein, wach bleiben, alles aufnehmen, als sei’s das erste Mal im Leben, das mag ich sehr."

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