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In "Staatsdiener" werden junge Polizisten auf ihrem Weg begleitet. (Archivbild)

So spannend wie ein Krimi

"Staatsdiener" ein Werbefilm? Von wegen

Einen Werbefilm über die Polizei sollte sie drehen. Daran war die Regisseurin Marie Wilke nicht interessiert, am Thema Polizei schon. So entstand eine spannende Dokumentarverfilmung.

Nach wenigen Minuten ihrer Dokumentation ist klar: Werbung ist das absolut nicht. Stattdessen ein oft beklemmender Blick über die Schulter junger Polizei-Anwärter aus Sachsen-Anhalt. Man folgt den Frischlingen und der Kamera in verwahrloste Wohnungen und auf nächtlichen Einsatzfahrten mit Blaulicht. Man beobachtet, wie ungelenk sich die Neulinge noch in ihren Uniformen bewegen und dabei versuchen, sich vom Pöbeln krawalliger Fußballfans und aggressiver Betrunkener nicht einschüchtern zu lassen.

So spannend wie ein guter Krimi

Marie Wilke von der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg verzichtet auf jeden Kommentar. Schroff und unversöhnlich kommt mancher Satz daher, den man erst einmal verdauen muss – genauso wie die Azubis. Wilkes ruhig gefilmte Langzeitbeobachtung erscheint anfangs etwas zäh und sperrig. Doch das Konzept, ein Gegenentwurf zu effekthascherischen Reportagen privater TV-Sender, funktioniert bestens. Auch wenn der spätere Alltag zwischen Papierkram und Routine auf dem Revier anders aussehen mag – zum Polizist heranzureifen, ist so spannend wie ein guter Krimi.

„Staatsdiener“

Regie: Marie Wilke

Laufzeit: 80 Minunten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie gut gemachte Dokumentationen mögen.

ulf

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