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"Du hast eine neue Frisur", sagt er. "Und Du dieselbe Jacke", kontert sie.

Unsere garantiert Spoiler-freie Star-Wars-Kritik

"Chewie, wir sind zu Hause": So gut ist der neue Star-Wars-Film

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München - Schafft es Regisseur J.J. Abrams mit "Das Erwachen der Macht", den Mythos der Ur-Star-Wars-Trilogie wiederzubeleben? Wir haben Episode VII bereits gesehen - lesen Sie hier unsere garantiert Spoiler-freie Filmkritik.

Update vom 14. Dezember 2016: In Deutschland läuft Star Wars: Rogue One erst am Donnerstag an. In den USA werden auf Reddit schon die Spoiler zum Film gepostet. Klicken auf eigene Gefahr! Wir haben bereits die Spoiler zu Star Wars: Rogue One zusammengefasst.

Rey (Daisy Ridley), der Droide BB-8 und Finn (John Boyega).

Der Film "Das Erwachen der Macht" ist gut 90 Minuten alt, da blicken sie sich zum ersten Mal nach sehr langer Zeit wieder in die Augen. „Du hast eine neue Frisur“, sagt er. „Und Du dieselbe Jacke“, kontert sie. Dieser eigentlich so lapidare Dialog verrät dennoch viel über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ und darüber, warum Regisseur J. J. Abrams mit diesem siebten Teil der Science-Fiction-Saga viele glücklich machen wird, alte wie neue Fans.

Da also begrüßen sich an der Rampe eines Raumschiffs Prinzessin Leia und Han Solo im neuen Star-Wars-Film. Carrie Fisher und Harrison Ford haben diese von George Lucas erdachten Figuren bereits in den ersten drei Filmen gespielt, die zwischen 1977 und 1983 in die Kinos kamen und den Ruhm der Reihe begründeten. Leia hatte damals Haarschnecken über den Ohren, und die Jacke, die Han Solo heute trägt, erinnert an die aus „Das Imperium schlägt zurück“ (1980). Es ist eine Freude, den beiden Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie ihre Rollen von einst lustvoll und (selbst-)ironisch nochmals mit Leben füllen.

Star Wars 7: Verneigung vor der Ur-Trilogie

Mit dem neuen Film hat J. J. Abrams „Star Wars“ erfolgreich wiederbelebt, diese große Erzählung des 20. Jahrhunderts, für die Lucas wie auf einem Mythen-Wühltisch (Pop-)Kultur und Philosophie mit abendländischen und asiatischen Traditionen mixte, sich bei Shakespeare ebenso bediente wie bei Homer. Wer „Das Erwachen der Macht“ gesehen hat, vergisst die grauenhaften drei jüngsten Teile der Reihe (1999–2005). Der Regisseur, der zuvor bereits „Star Trek“ erfolgreich ins 21. Jahrhundert geholt hat, verneigt sich mit seiner Inszenierung vor der Ur-Trilogie von Star Wars und deren Figuren – etabliert zugleich jedoch einen neuen, vielschichtigen Erzählstrang. So spinnt er für die Fans der ersten Stunde die Geschichte virtuos weiter und spricht zugleich Zuschauer an, die Ende der Siebzigerjahre noch nicht geboren waren. Denn selbst wer die Anspielungen auf Vergangenes nicht versteht, wird in Episode VII wunderbar unterhalten.

Die neuen Helden: Rey (r.) und Finn.

Der Film setzt 30 Jahre nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und Darth Vaders Vernichtung ein. Doch noch immer herrscht Krieg im Universum: Wo einst die Rebellen gegen die Terrorherrschaft des Imperiums aufbegehrten, wehrt sich nun die „Resistance“ gegen die Unterdrückung durch die Organisation „First Order“. Der Kampf Gut gegen Böse ist also längst in einer neuen Runde, wobei die Figuren nicht festgelegt sind. Sie können zweifeln, sich wandeln – kurz: sich entwickeln wie wir alle. Diese Komplexität ist eine Stärke von „Star Wars“.

In „Das Erwachen der Macht“ folgen wir der jungen Rey (Daisy Ridley) auf den ersten Etappen ihrer Heldenreise. Rey weiß zwar noch nicht, wo ihr Platz in diesem Machtgefüge ist. Ganz klar ist ihr dagegen, was sie nicht will: die bevormundende Hilfe eines Mannes. Mit Rey, dieser starken Frau, taucht ein spannender neuer Charakter im „Star Wars“-Kosmos auf und wirbelt ihn ordentlich durcheinander. Herrlich etwa die Szene, als sie mit dem übergelaufenen Stormtrooper Finn (John Boyega) fliehen muss, der sie instinktiv an die Hand nimmt. Genervt reißt Rey sich los – und letztlich ist sie es, die kurze Zeit später dem gestürzten Finn ihre Hand reicht, um ihm aufzuhelfen. Daisy Ridley gibt ihrer Figur eine natürliche Präsenz und ein unaufdringliches Selbstbewusstsein, die junge britische Schauspielerin ist die Entdeckung des Films.

Star Wars 7: Luke Skywalker treibt die Handlung voran

Darüber hinaus wechselt Abrams in seiner virtuos geschnittenen Produktion gekonnt zwischen Humor und Spannung. Dass er den Stoff, den er da auf die Leinwand gebracht hat, von Herzen liebt und das „Star Wars“-Universum durchdrungen und verstanden hat, zeigen die vielen gewissenhaft inszenierten Details. Da schlägt Finn etwa vor, mit dem Millennium-Falken abzuhauen, Han Solos legendärem Raumschiff aus den ersten drei Filmen. Rey hat jedoch für das Monstrum zunächst nur ein Wort übrig: „Schrott“ – genau wie einst Luke Skywalker, den die „Resistance“ hier so dringend sucht, weil sie den Jedi im Kampf gegen das Böse braucht.

Skywalker treibt im neuen Star-Wars-Film die Handlung voran, ohne selbst wirklich in Aktion zu treten. Die Episoden VIII und IX sind für die Jahre 2017 und 2019 angekündigt – die Figur bleibt also weiter rätselhaft.

Doch in Episode VII ist etwas anderes viel wichtiger. Als Han Solo zum ersten Mal die Tür des Millennium-Falken öffnet und sein Raumschiff nach so vielen, vielen Jahren wieder betritt, sagt er zu seinem Wookiee: „Chewie, wir sind zu Hause.“

Stimmt. Wir auch.

Star Wars: "Das Erwachen der Macht" im Kino

mit Daisy Ridley, John Boyega, Harrison Ford, Carrie Fisher

Regie: J. J. Abrams

Laufzeit: 136 Minuten

Hervorragend 5 Sterne

Dieser Film wird Ihnen gefallen, auch wenn Sie von den jüngsten drei Teilen enttäuscht waren.

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Wir tickern die Star-Wars-Woche bis zum offiziellen Kinostart am 17. Dezember.

Wenn Sie es doch genauer wissen wollen: Hier geht es zu unserem Spoiler Artikel "Das ist dran an den 10 größten Star-Wars-Gerüchten".

Lesen Sie außerdem:

So sehen die Star-Wars-Schauspieler heute aus

"Star Wars 7": Fakten und Gerüchte zu "The Force Awakens"

Harrison Ford im Interview: "Han Solo ist der Alte - nur besser"

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