Starke Frauen

- Plötzlich stehen diese vier Mädchen vor der Hütte einer Frau und bitten um Schutz. Sie sollen, einem alten Brauch gehorchend, beschnitten werden. Die Frau erklärt mit einem Bann - genannt Moolaadé - ihre Hütte zum unverletzlichen Asyl. Die Dorfgemeinschaft ist brüskiert, es kommt zum Ausbruch lange schwelender Konflikte. In einem fiktiven Dorf irgendwo in Westafrika lässt Senegals Regie-Legende Sembène Ousmane seine Geschichte spielen, und doch ist es alles andere als ein Märchen.

Ousmane, der erste Schwarzafrikaner, der eigene Filme drehte, hat immer schon die Rolle der Frau thematisiert. Mit über 80 Jahren hat er eines der großen Tabus aufgegriffen: die Verstümmelung von jungen Frauen im Namen der Tradition. Mit der unnachahmlichen Balance zwischen Dramatik und fatalistischem Humor schildert Ousmane eine archaische Welt. Es gelingt ihm bemerkenswert unangestrengt, die Protagonisten nicht zu denunzieren und dennoch Unmenschlichkeit anzuprangern.

Wie in einer klassischen Tragödie treiben die Menschen durch eine Welt, die sie zwar vermeintlich bestimmen, aber nicht wirklich verstehen. Dadurch wirkt die subversive Botschaft umso stärker, ohne je platt zu sein. Berückend ist die Radikalität, mit der Ousmane sich für die Sache der Frauen einsetzt. Es ist die Zuversichtlichkeit, die diesen Film so besonders macht. Und immer wieder schimmert Ousmanes starke Überzeugung durch, dass Afrika seine schwer wiegenden Probleme aus eigener Kraft lösen kann. Ein faszinierender, packender Film über starke Frauen ohne jede Hysterie. Das kann, mit Verlaub, nur einem Mann gelingen. Einem, der weiß, dass Frauen diese Welt zusammen halten, auch wenn es ihnen niemand dankt. (In München: Maxim.)

"Moolaadé - Bann der Hoffnung"

mit Fatoumata Coulibaly

Regie: Sembène Ousmane

Sehenswert ****

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