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Seit gestern in München: Regisseur Terry Gilliam.

Zum Start des Filmfests: Interview mit Terry Gilliam

Am Freitag startet in München das 27. Filmfest. Eröffnungsfilm ist „The Imaginarium of Doctor Parnassus“, der neue Film von Regisseur Terry Gilliam. Ein Interview mit ihm.

Als einziger Amerikaner wurde Terry Gilliam, geboren 1940, der wegen des Vietnamkriegs nach Großbritannien emigrierte, 1969 Mitglied der britischen Komiker von Monty Python. In den Achtzigerjahren, als sich die Gruppe auflöste, begann er mit seiner Regie-Karriere. Er drehte so großartige Filme wie „Brazil“ (1985), „Twelve Monkeys“ (1995) oder „Fear and Loathing in Las Vegas“ (1997). Heute eröffnet sein neuer Film „The Imaginarium of Doctor Parnassus“ das Filmfest München. Die Geschichte dreht sich um einen Geschichtenerzähler und seinen Pakt mit dem Teufel.

- Sie werden heute erleben, wie Ihr neuer Film beim Münchner Publikum ankommt. Nervös?

Mich fasziniert die Frage: Wie können wir das Publikum unterhalten? Ich bin nach wie vor neugierig. Und dieser Film ist eine Art Experiment für mich: zu sehen, wie andere reagieren. Ich will keinen Film machen, der bloß eine intellektuelle Übung ist, und auch keinen Film, der nur eine spannende Fahrt ist. Sondern beides ist wichtig.

- Wir können uns nicht über Ihren Film unterhalten, ohne über Heath Ledger zu sprechen, der während der Dreharbeiten starb. Was ging Ihnen zuerst durch den Kopf, als Sie von seinem Tod hörten?

Natürlich war ich schockiert und auch deprimiert. Ich bin zunächst nach Kalifornien zu seiner Familie gefahren. Wir haben zusammen geweint und irgendwann gelacht – wir wollten alle das Beste daraus machen. Eine Feier für Heath.

-Gab es andere Optionen, als seine Rolle von Johnny Depp, Jude Law und Collin Farrell zu Ende spielen zu lassen?

Natürlich: Zuerst dachten wir, der Film wäre gestorben. Wir hatten so ein Glück im Unglück. Denn nur weil „Doctor Parnassus“ eine derart fantastische Geschichte ist, gab es überhaupt die Möglichkeit, so einen Wechsel im Aussehen glaubwürdig zu machen. Man sieht also mal wieder: Die Fantasie rettet uns! Wir haben hart gearbeitet. Wir haben den Film auch für Heath fertig gemacht. Dazu gehörte, nicht einen, sondern drei Darsteller zu nehmen – alles andere wäre nicht respektvoll gewesen.

-„Doctor Parnassus“ ist ein Film über das Erzählen.

Wir leben in einem Zeitalter des Erzählens und Erfindens von Geschichten. Es ist mir nicht völlig klar, ob das etwas Gutes ist. Zum Beispiel ist der Journalismus heute oft nur Erzählung und Erfinden, Form und Lüge. Für Fakten interessieren sich die Verlage und die Leser nicht mehr. Das ist sehr schlecht. Täglich werden große Lügen erzählt. Aber ich weiß, dass Erzählen und Erfinden auch sehr lebendig sein kann. Die Geschichte ist wunderbar und originell. Der Film ist eine Art Kompendium von allem geworden, was ich toll finde und was mich fasziniert. Was mich außerdem interessiert hat: die Idee der Wahlfreiheit. Offen gesagt, glaube ich, wir leben in einer Zeit von zu viel Wahlfreiheit: Wir können zwischen 34 Typen Klopapier wählen. Toll. In meinem Film geht es nur um die Wahl zwischen Gut und Böse. Vereinfacht das Leben!

-Die Heath-Ledger-Figur heißt Tony und ist eine offenkundige Anspielung auf Tony Blair.

War das Tony Blair? Ja, stimmt, Tony glaubt alles, was er sagt, obwohl er nicht darüber nachgedacht hat, bevor er es gehört hat. Ich habe eine tiefe Liebe für Tony Blair. Das ist unser Mann im Nahen Osten: Wenn Gaza bombardiert wird, lässt er sich einen Orden geben. Well done, Tony! Aber ich habe auch an Roberto Calvi gedacht, einen Bankier des Vatikan, der auch die Geheimloge P2 gegründet hat. Er wurde erhängt unter einer Brücke gefunden. Heath Ledger würde lachen, könnte er sehen, dass das sein erster Auftritt ist.

-Sie haben ein perfektes Schauspielensemble zusammen. Neben den bereits Genannten auch Christopher Plummer, den Musiker Tom Waits...

Ja, der ganze Film ist um Christopher gebaut. Er ist in fast jeder Szene zu sehen. Und Tom Waits ist ein Genie. Sie reizen sich zu immer höheren Gipfeln ihres Könnens. Sie sind das wahre Liebespaar des Films.

Interview: Rüdiger Suchsland

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