Filmkritik & Trailer

"Insidious: Chaper 3" - Statt Mama kommt das Böse

Der dritte Teil von „Insidious“ bietet Geister-Humbug mit schönen Randmomenten.

Das Unheimliche ist zurück im US-Kino. Was seit den 1980ern der Körperhorror war, Splatter- und Slasher-Filme, das ist unserem Jahrzehnt wieder der Spukfilm geworden, sind Geisterhäuser, Besessenheit, das Wirken unsichtbarer Mächte, die Rückkehr des Verdrängten. Es war eine angenehme Überraschung, dass ausgerechnet von den Begründern der Torture-Porn-Reihe „Saw“ einer der hübscheren Beiträge zur sanfteren Horror-Welle kam: „Insidious“ – eine gut geölte, gruselig augenzwinkernde Geisterbahnfahrt.

Die Enttäuschung folgte mit der Fortsetzung und ihrer spiritistischen Frontverteidigung von US-Familienwerten. Für das (chronologisch zuvorderst angesiedelte) dritte Kapitel hat erstmals Drehbuchautor Leigh Whannell die Regie übernommen. Und wurde in seinen Ambitionen heimgesucht vom Fluch der Serie.

Der Film beginnt, als wolle er ernsthaft von Trauer und Sterblichkeit handeln. Quinn Brenner (Stefanie Scott) hat ihre Mutter verloren; weder sie noch Vater und kleiner Bruder haben das bewältigt. Bei ihren Versuchen, Kontakt mit der Toten aufzunehmen, hat Quinn Böses geweckt, das nun im düsteren Appartment der Familie spukt. Sie sucht Hilfe beim Medium Elise Rainier (Lin Shaye mit erstaunlich berührenden Nuancen). Whannell lässt sich die Zeit, die Figuren und ihren Schmerz glaubhaft zu etablieren. Und erwischt einem mit einem Schockmoment wirklich auf dem falschen Fuß. Doch das Unterscheidungsmerkmal der „Insidious“-Reihe ist halt auch das nerdige Geisterjäger-Duo Tucker (Angus Sampson) & Specs (Whannell selbst). „Chapter 3“ macht Spaß, weil sie in modisch und technologisch eher primitiver Phase gezeigt werden. Im üblichen Jenseits-Humbug versickern aber ernstere Töne. Wie zwiegespalten der Film ist, zeigt sein schönster Randmoment: Die demente, hellsichtige Nachbarin Grace verkörpert das Klischee von den nur halbzivilisierten Afro-Amerikanern, die näher am Übernatürlichen seien. Dann aber zieht ihr Mann ein Foto von Grace (und Darstellerin Phyllis Applegate) in jungen Jahren hervor und fordert ihr Recht, als echte Person mit eigener Geschichte wahrgenommen zu werden. Das dauert zwei, drei Sekunden. Bis sofort wieder das Genre und seine Mechanismen greifen.

Thomas Willmann

„Insidious: Chapter 3“

mit Stefanie Scott, Lin Shaye

Regie: Leigh Whannell

Laufzeit: 97 Minuten

Rubriklistenbild: © Sony

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