Steven Spielberg im Gespräch

- "Die Sechzigerjahre waren für mich überhaupt keine verrückte Zeit. Ich wuchs in Phoenix, Arizona, auf, und das war das Langweiligste, was man sich vorstellen kann." Ein überraschendes Geständnis, das man von Steven Spielberg, Jahrgang 1947, gar nicht erwartet hätte. Als junger Hippie im "New Hollywood"-Umfeld der frühen 70er begann er, und als Regisseur von acht der erfolgreichsten Filme überhaupt, unter anderem "Der weiße Hai", "E.T.", "Schindlers Liste", zuletzt "Minority Report", ist er bereits zu Lebzeiten eine Legende. "Um ganz ehrlich zu sein, glaube ich, dass meine Karriere ausschließlich dieser gähnenden Langeweile entsprungen ist."

<P>"Catch me, if you can", Spielbergs neuer Film, handelt von einem genialen Hochstapler. Fast ist man versucht, eine Identifikation zwischen Regisseur und Gauner zu vermuten, machte sich doch Spielberg selbst als 16-Jähriger drei Jahre älter, um seinen ersten Job in den Universal Studios zu ergattern.</P><P>"Was mir an Frank W. Abagnale besonders gefiel, war die Tatsache, dass das ein junger Typ war, der voller Mut über drei Jahre lang ein Leben führte, das so abwechslungsreich war, so viele Karrieren enthielt und ihn zwang, so viele Persönlichkeiten zu spielen, wie es die meisten von uns niemals schaffen. Als ich auch noch begriff, dass jedes Detail tatsächlich passiert war, war ich fasziniert."</P><P>Der Stoff kam Spielberg zunächst in Form der Autobiografie Abagnales auf den Tisch (bei Heyne: "Catch me, if you can", 330 Seiten, 7,85 Euro), in der dieser ausführlich und höchst unterhaltsam beschreibt, wie er zwischen 1965 und 1969 ohne Ausbildung drei Berufe - Pilot, Unfallchirurg, Anwalt - ausübte und als sympathischer Hochstapler ein überaus gutes, wenn auch illegales Leben lebte: ein amerikanischer Felix Krull. "Ich war zunächst nur als Produzent beteiligt", so Spielberg. "Manchmal fällt es mir schwer, die beiden Rollen, die des Produzenten und des Regisseurs, zu verbinden.</P><P> Aber plötzlich dachte ich mir: Warum mache ich diese wunderbare Geschichte nicht einfach selbst?"<BR>So kam es zu dem Film, für den Spielberg die Weltstars Leonardo DiCaprio und Tom Hanks verpflichten konnte. "Fast alles, was gezeigt wird, geschah wirklich. Wir haben nur einiges dramatisiert, etwa Abagnales Flucht aus dem Flugzeug." In "Catch me, if you can" feiert Spielberg jetzt das besondere Flair der Sechziger: "Ich wollte ein Bild dieser Zeit schaffen, das uns überrascht, weil es nur zum Teil dem entspricht, das wir im Kopf haben. Da ich Frank Sinatra und Charlie Parker liebe, nahm ich Hits von ihnen."</P><P>Den Vorwurf, Hollywood produziere zu viele Remakes, lässt Spielberg nicht gelten: "Einer der größten Filme der Geschichte, ,Ben Hur, war ein Remake. Im Theater sehen wir das fast immer: ,Hamlet, ,Faust - gleicher Text, neue Regisseure, neue Schauspieler, neue Kulissen. Es gibt viele Filme, bei denen Story oder Ideen ganz hervorragend sind, und aus irgendeinem Grund wurden sie nicht richtig ausgeschöpft."</P><P><BR>Das soll Steven Spielberg nicht passieren: Was er auch anfasst, wird ein Erfolg. "Ich habe noch viel vor . . ." Dabei scheint Spielberg immer unabhängiger gegenüber den Gewinnzwängen Hollywoods zu werden, wirken seine Geschichten von Mal zu Mal persönlicher. Und wenn man hört, dass sein nächstes Projekt Hergé´s Comic "Tim und Struppi" sein soll, glaubt man auch hier, mit Blick auf frühere Filme, eine Kontinuität zu erkennen: Immer wieder erzählt Spielberg die Geschichte vom großen Kind, das nicht erwachsen werden will und es doch, mal schmerzhaft, mal glücklich, werden muss - geradezu klassische Fälle eines "Peter-Pan-Syndroms".</P><P>Und der Gesprächspartner, der den Regisseur erlebt, wie er voller Begeisterung von seinen Plänen erzählt, über Special Effects und den vierten Teil von "Indiana Jones", fragt sich: Ist Spielberg selbst vielleicht der Peter Pan von Hollywood?<BR>"Meine Karriere ist ausschließlich gähnender Langeweile entsprungen": Steven Spielberg, dessen neuer Film heute startet.<BR></P>

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