Aus der Nähe von Fischbachau

"Still": Exzellente Langzeitdoku über Hoferbin Uschi

München - Mit „Still“ ist dem Münchner Filmemacher Matti Bauers eine exzellente Langzeitdoku über die bayerische Hoferbin Uschi aus der Nähe von Fischbachau gelungen.

Der Münchner Filmemacher Matti Bauer dürfte vielen ein Begriff sein. Schließlich drehte er unter anderem 1997 die Dokumentation „Lokalderby“ über die Rivalität der beiden Münchner Fußballclubs FC Bayern und 1860 München. Für seinen ebenfalls recht populären Film über die Regensburger Domspatzen erhielt er 2009 sogar den Bayerischen Fernsehpreis. Seine aktuelle, in strengem Schwarz-Weiß gehaltene Doku „Still“ hat nun ebenfalls jede Auszeichnung verdient. In sorgsam arrangierten Bildern erzählt Matti Bauer über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg das Leben der Hoferbin Uschi aus der Nähe von Fischbachau. Zu Beginn seiner Langzeitstudie, die ein wenig an Richard Linklaters Spielfilmprojekt „Boyhood“ erinnert, ist Uschi erst 22 Jahre alt, hat den Kopf voller Pläne und an der Übernahme des elterlichen Hofes wenig Interesse. Doch das ändert sich mit den Jahren, auch weil die fesche Jungbäuerin am glücklichsten wirkt, sobald sie im Sommer mit ihren Tieren alleine auf der Alm leben darf. Irgendwann gibt es einen Sohn namens Jakob, der Vater ist rasch wieder verschwunden. Zurück bleiben die langsam älter werdenden Eltern, die sich auf einmal trennen, dazu das Kind und ein riesiger Hof, der immer weniger rentabel erscheint.

Bauers Film kommt ohne Musik aus und angenehmerweise ohne die übliche weißblaue Idylle. Bewusst setzt Bauer auf starke Kontraste, um so auch die Kontinuitäten sichtbar zu machen, die in solch einem Gefüge bestimmend sind. Er erzählt am Schicksal dieser Frau entlang prägnant vom Höfesterben, von Traditionen und falschen Ehrbegriffen, vom Loslassenkönnen und Bewahrenwollen.

Ulricke Frick

Rubriklistenbild: © Snacktv

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