Kinotrailer und Filmkritik

"Stiller Sommer": Absolut lässig

München - Mit „Stiller Sommer“ wandelt Nana Neul auf den Spuren der Beziehungsfilme von Eric Rohmer. Vor allem die zweite Hälfte entwickelt eine Wucht.

Auf ihrer Vernissage verschlägt es der Künstlerin Kristine (Dagmar Manzel) die Stimme. Buchstäblich. Die sprachlos gewordene Frau setzt sich ins Ferienhaus der Familie nach Südfrankreich ab, um sich dort zu erholen. Das funktioniert aber schon deswegen nicht, weil sich die erwachsene Tochter Anna (Marie Rosa Tietjen) mit ihrem neuen Lover Franck (Arthur Igual) ebenfalls dort verlustiert. Als auch noch Kristines Gatte Herbert (Ernst Stötzner) anreist, beginnt ein munteres Bäumchen-wechsle-dich-Spiel.

Regisseurin Nana Neul hatte offensichtlich die Beziehungsfilme von Eric Rohmer und Co. im Sinn, als sie „Stiller Sommer“ plante. Doch die Dialoge sind noch nicht so fein geschliffen, die Situationen nicht ganz so pointiert in ihrer vorgeblichen Beiläufigkeit, wie man das aus dem französischen Autorenkino kennt. Dennoch weiß Neul ihre Charaktere lässig zu inszenieren, geht überlegt mit Spannungsmomenten um und weiß vor allem, die hervorragenden Darsteller zu führen. Die Landschaft spielt in dieser Sommerliebelei eine zusätzliche Hauptrolle. Der Kamera gelingt es anfangs allerdings selten, dies überzeugend abzubilden. Doch ab der Hälfte entwickelt das bis dahin fernsehspielartige Arrangement eine Wucht und Präzision, die diesen Film zu einem Ereignis werden lässt.

ulf

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