Suche nach Liebe

- Schwebend und träumerisch ist die Atmosphäre, in die uns dieser Film versetzt. Wir begegnen Heidi, einem jungen Mädchen, irgendwo in Australien. Die 16-Jährige - glänzend dargestellt von Abbie Cornish, die aussieht wie eine 22-jährige Nicole Kidman - weiß nicht genau, wo es mit ihr hingehen soll. Eines Tages macht sie einen Fehler und kommt dem Freund ihrer Mutter zu nahe. Die entdeckt das, und anstatt zu reden, sich zu erklären, reißt das Mädchen vor lauter Scham, Wut, Verlassenheit von Zuhause aus. Ohne Geld und ohne Freunde ist sie ganz auf sich gestellt.

<P>Merkwürdig ist Heidi, verletzlich und gleichzeitig abgebrüht. Regisseurin Cate Shortland nimmt sich viel Zeit, ihre Hauptfigur zu zeigen, sie zu beobachten. Nachts zieht sie durch die Clubs, auf der Suche nach Liebe oder zumindest einem Platz zum Schlafen. Sie macht Erfahrungen, und nicht immer sind sie gut. Ein wenig Halt findet sie erst bei Joe (Sam Worthington), einem Farmerssohn, der auch nicht weiß, was sie will. Sie findet einen Job, eine Bleibe, doch immer wieder holt sie ihre Vergangenheit, das eigene Misstrauen und das der anderen ein, zerstört prekäre Sicherheiten. Nur manchmal tut der Film ein bisschen zu viel. Jeder ist verletzt, traurig, und die Heldin muss erst einmal ganz unten ankommen, um schließlich ein wenig erlöst zu werden. Erst am Ende merkt sie, dass sie stärker ist, als sie selber dachte.<BR><BR>Cate Shortland erzählt in ihrem Debüt von den klassischen Themen der Liebe: von Sehnsucht, dem Wunsch und der Unfähigkeit, sich aufeinander einzulassen. Ihr Film und ihre Hauptfigur erinnert an Sandrine Bonnaire in Agnè`s Vardas "Vagabund", aber auch ein bisschen, in ihren Abgründen, an Charlize Theron in Patty Jenkins' "Monster".<BR><BR>Der Film besticht durch seinen Schnitt, seine traumwandlerischen Bilder. Es gibt Pausen, Stille und viel Gefühl. Alles wirkt seltsam übernatürlich, schwebend, somnambul - Kino der Gefühle. </P><P>(In München: Isabella, Atelier, Museum i.O.)<BR>"Sommersault - Wie Parfüm in der Luft"<BR>mit Abbie Cornish, Sam<BR>Worthington, Lynette Curran<BR>Regie: Cate Shortland<BR>Hervorragend </P><P><BR> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“
München - Kirill Serebrennikov verfilmte mit „Der die Zeichen liest“ Marius von Mayenburgs Theaterstück „Märtyrer“. Hauptthema: Jugendliche und die Bibel.
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“

Kommentare