Superstars und Superwetter - Venedig startet sein Festival

Venedig - Offiziell war das Filmfestival noch gar nicht eröffnet, doch schon lagen am Lido in Venedig alle den Superstars zu Füßen. Auch der strahlend blaue Himmel über dem Meer und die Strände hielten Schaulustige und ein Heer von Medienvertretern am Mittwoch nicht davon ab, sich lieber auf George Clooney und Brad Pitt zu stürzen.

Die amerikanischen Topschauspieler waren zusammen mit den Regie-Meistern Joel und Ethan Coen gekommen, um den jüngsten Coup "Burn After Reading" der Oscar-verwöhnten Brüder am Abend aus der Taufe zu heben. Die schwarzhumorige Agentenkomödie war vom künstlerischen Direktor des 65. Filmfestivals, Marco Müller, als Eröffnung außer Konkurrenz ausgewählt worden.

Weniger Glamour - diese Losung galt zumindest für den Auftakt des Filmfestivals also nicht. Die beiden "Super-Schönen", wie Italiens Medien schwärmten, besorgten die Farbe und den Auftrieb, sie gaben den Ton an und zogen andere hochkarätige Stars wie Frances McDormand oder Tilda Swinton mit. Clooney kam, mehr lachend als auf Fragen nach seinem Liebesleben eingehend, lässig mit offenem Hemd, die Sonnenbrille am Knopfloch festgemacht. Und Pitt zog vor der Presse seinen Sommerhut nicht ab und wollte eigentlich nichts dazu sagen, wie es der Lebensgefährtin Angelina Jolie und den beiden im Juli in Nizza geborenen Zwillingen so geht. Und auch die beiden Regisseure blieben locker und unverbindlich ("Wir wollten einfach ein Spy-Movie machen") und schienen lieber wieder einem Pool zustreben zu wollen.

Auch in "Burn After Reading" ("Nach dem Lesen vernichten") fließt, was beim Drehen als roter Lebenssaft eingesetzt wird. Der blendend aussehende, aber doch etwas dümmliche junge Fitnesstrainer Chad Feldheimer (Pitt) muss leiden. Aber dieser Coen-Thriller ist eine Komödie und die Brüder Coen wechseln gern etwas ab: "Burn After Reading" folgt auf ihren äußerst brutalen "No Country For Old Men" und gehört zu einer "Idioten-Trilogie", wie Joel und Ethan Coen es nennen. Dazu zählt auch "O Brother, Where Art Thou?" von 2000, ebenfalls mit George Clooney - der sich zum Schein deshalb schon Sorgen um seinen Ruf machte. "Idioten"-Trilogie wohl deshalb, weil ein Strauß von Midlife-Problemen in "Burn After Reading" nicht gerade mit intelligenten Mitteln angegangen wird - Amateure am Werk. Und das macht den Spaß dieser leichteren und gut portionierten Coen-Kost aus. Der gefeuerte CIA-Agent Ozzie Cox (John Malkovich) widmet sich neben dem Alkohol seinen "Memoiren", die als CD in die Hände der Fitnesstrainerin Linda Litzke (Frances McDormand) fallen. Sie wittert Geld für ihre langersehnte Schönheitsoperation. Doch dazwischen funkt der sexuell ziemlich umtriebige Finanzbeamte Harry Pfarrer (Clooney). Und letztlich kommen sogar die Russen ins Spiel.

In kurzen, knackigen Szenen, in einem Verwirrspiel um Wahn und Wirklichkeit ergibt das Puzzle nur ein irritierendes Fazit: "Wenn man wüsste, was man falsch gemacht hat, könnte man es das nächste Mal besser machen." Warum so viele deutsch klingende Namen im Film? Doch auch darauf konnten - oder wollten - die Coen-Brüder nicht klar antworten. Bundesstart für "Burn After Reading" ist der 2. Oktober.

Am Tag nach dem Gala-Abend mit der russischen Schauspielerin Xenia Alexandrowna Rappoport beginnt die Arbeit für Jurypräsident Wim Wenders. Bis zum 6. September gehen 21 Filme in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Darunter ist mit Christian Petzolds "Jerichow" erstmals seit 2004 wieder ein deutscher Streifen dabei: Der 47- jährige Regisseur stellt "Jerichow" mit Nina Hoss, Benno Fürmann und Hilmi Sözer bereits am Donnerstag am Lido vor.

Im Venedig-Hauptwettbewerb sind zudem drei Filme mit deutscher Produktionsbeteiligung, so Werner Schroeters "Nuit de chien". Diese Filme treffen in Venedig auf starke Konkurrenz vor allem aus den USA, die mit fünf Produktionen antreten. Und für sein Lebenswerk erhält Italiens Regie-Altmeister Ermanno Olmi einen Ehren-Löwen.

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